Die Äsche, Fisch des Jahres 2026, steht seit Jahren im Mittelpunkt eines Artenhilfsprogramms des Bezirks Oberfranken. In der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß werden Jungfische gezüchtet, um die bedrohten Bestände in heimischen Gewässern zu stärken. Doch nun gibt es einen schweren Rückschlag: Erstmals konnten in der Wiesent nicht genügend Laichfische gefangen werden.
Grund dafür ist nach Einschätzung der Fachberatung für Fischerei vor allem der vergangene Kältewinter. Durch die lange Frostperiode zogen ungewöhnlich viele Kormorane nach Oberfranken und jagten in den eisfreien Flüssen. Die Folgen seien dramatisch: Der Bestand der Äsche in der Wiesent sei um rund 95 Prozent zurückgegangen.
Jahrelange Aufbauarbeit bedroht
Dem Hilfsprogramm gingen viele Jahre intensiver Arbeit voraus. Experten mussten geeignete Bedingungen für die künstliche Nachzucht der Äsche entwickeln. Erst 2025 gelang ein wichtiger Erfolg: Rund 12.000 Jungfische konnten in oberfränkischen Gewässern ausgesetzt werden.
Bei den aktuellen Befischungen blieben die Netze jedoch nahezu leer. Auch andere Fischarten wurden nur selten gefunden und zeigten häufig Verletzungen durch Kormorane. „Dieser Verlust ist außergewöhnlich und kann verheerende Folgen für die Population haben“, erklärt Fischereiexperte Viktor Schwinger.
Forderung nach stärkerem Kormoranmanagement
Die Entwicklung zeigt sich auch im Langzeitvergleich: Während in den 1980er Jahren noch bis zu 25 Äschen pro 100 Meter Flusslauf gezählt wurden, sank die Zahl in den vergangenen Jahren auf nur noch ein bis zwei Fische.
Die Fachberatung fordert deshalb eine Verlängerung der bayerischen Kormoranverordnung sowie strengere Schutzmaßnahmen auf europäischer Ebene. Für dieses Jahr ist eine weitere Nachzucht der Äsche nicht mehr möglich. Dennoch soll das Artenhilfsprogramm fortgeführt werden, sobald sich die Bestände wieder erholen.