Di., 09.06.2026 , 16:04 Uhr

Landkreis Hof

Alarm in Bayerns Gewässern: Bedrohte Flussperlmuschel in Gefahr

Trockenstes Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung

Trockenheit bedroht Bayerns letzten Muschel-Schatz

Das Frühjahr 2026 geht bereits jetzt als das trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Statistik ein. Zwar hat es in den vergangenen Tagen immer wieder geregnet, doch die Niederschläge reichen längst nicht aus, um das Defizit auszugleichen. Sichtbar wird das etwa am Hofer Untreusee: Der Wasserstand ist so niedrig, dass Tretbootfahren derzeit nicht möglich ist. Auch Badegäste müssen aufpassen, weil zahlreiche Steine freigelegt wurden. Doch nicht nur Seen leiden unter der Trockenheit. Auch viele Flüsse und Bäche in Oberfranken führen deutlich weniger Wasser als üblich – mit dramatischen Folgen für seltene Tierarten.

Die Flussperlmuschel kämpft ums Überleben

Zu den Leidtragenden gehört die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel. In den Gewässern Nordostoberfrankens lebt mit knapp 20.000 Tieren der größte Bestand Bayerns. Dennoch ist die Situation kritisch. Die Muschel, die einst in weiten Teilen Europas verbreitet war, findet heute nur noch in wenigen naturnahen Gewässersystemen geeignete Lebensräume.

Besonders problematisch sind lange Trockenperioden. Erwachsene Flussperlmuscheln sitzen im Bachbett und sind darauf angewiesen, dauerhaft von Wasser umgeben zu sein. Sinken die Pegelstände zu stark oder trocknen Bäche sogar aus, drohen die Tiere zu vertrocknen. Bereits in den Dürrejahren 2018 und 2019 mussten Altmuscheln teilweise aus ihren Gewässern gerettet werden.

Hoffnung aus der Huschermühle

Damit die Art nicht verschwindet, wird in der Flussperlmuschelaufzuchtstation Huschermühle bei Hof seit Jahren Nachwuchs herangezogen. In den Aufzuchtbecken wachsen tausende Jungmuscheln heran. Mit bloßem Auge sind die winzigen Tiere zunächst kaum zu erkennen. Erst später werden sie in größere Behälter umgesetzt und schließlich in geeignete Gewässer ausgebracht.

Eine entscheidende Rolle spielen dabei Bachforellen. Die Muschellarven verbringen ihre ersten Lebensmonate als Parasiten in den Kiemen der Fische. Erst im folgenden Sommer lösen sie sich von ihrem Wirtsfisch und sinken auf den Gewässergrund. Jedes Jahr werden dafür mehrere tausend Bachforellen in der Huschermühle aufgezogen und mit Muschellarven besetzt.

Die Bemühungen zeigen Wirkung: Allein im vergangenen Jahr konnten rund 150.000 Jungmuscheln gewonnen werden. Ziel ist es, die fehlenden jungen Jahrgänge in den natürlichen Beständen zu ersetzen und langfristig wieder stabile Populationen aufzubauen.

Klimawandel verändert die Gewässer

Auch das Hofer Wasserwirtschaftsamt beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Die trockenen Jahre seit 2018 hätten deutlich gezeigt, wie stark sich extreme Wetterlagen häufen. Viele Bäche und Flüsse führen immer häufiger Niedrigwasser oder trocknen zeitweise sogar vollständig aus. Hinzu kommt, dass sich die fehlenden Niederschläge inzwischen auch im Grundwasser bemerkbar machen. Dadurch werden die Quellen geschwächt, die Fließgewässer normalerweise mit Wasser versorgen.

Um die Auswirkungen abzumildern, kommen unter anderem Niedrigwasserspeicher zum Einsatz. Sie können in Trockenzeiten zusätzlich Wasser bereitstellen und helfen, kritische Wochen zu überbrücken. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Die jüngsten Regenfälle seien zwar hilfreich gewesen, eine Entwarnung gebe es aber nicht.

Wasser wird zur Schlüsselressource

Die Trockenheit beschäftigt inzwischen ganz Bayern. Umweltminister Thorsten Glauber ruft deshalb zu einem sparsamen Umgang mit Wasser auf. Aktuell weisen die meisten Fließgewässermessstellen und ein Großteil der Grundwassermessstellen niedrige Wasserstände auf. Noch sei die Trinkwasserversorgung gesichert, langfristig werde jedoch deutlich, wie wichtig ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser ist.

 

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