Bayern baut seine Kapazitäten für die Unterbringung von Geflüchteten weiter ab. Seit Sommer 2025 seien in allen sieben Regierungsbezirken rund 19.800 Plätze in Asylunterkünften abgebaut oder gekündigt worden, teilte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag mit. Damit sei das für 2026 gesetzte Ziel von mindestens 20.000 Plätzen bereits im August nahezu erreicht.
Den größten Rückgang verzeichnete Oberbayern mit rund 4.250 abgebauten Plätzen. In Mittelfranken seien rund 3.280 Plätze weggefallen, in Schwaben etwa 3.070. Es folgen Oberfranken mit 2.820, die Oberpfalz mit 2.580, Unterfranken mit 2.560 und Niederbayern mit 1.240 Plätzen.
Herrmann zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung. Die „Migrationswende“ komme konkret vor Ort an, erklärte der Innenminister. Der Rückgang zeige, dass eine veränderte Migrationspolitik zu einer Entlastung führen könne.
Weitere 22.300 Plätze sollen wegfallen
Der Abbau soll auch in den kommenden Jahren weitergehen. Bis Ende 2027 plant das Innenministerium, bayernweit weitere rund 22.300 Unterbringungsplätze abzubauen. Die größten Einschnitte sind in Oberbayern vorgesehen: Dort sollen 6.620 Plätze wegfallen. In Unterfranken sind 3.120, in Oberfranken 3.030 und in Mittelfranken 3.010 Plätze vorgesehen. In der Oberpfalz sollen 2.370, in Niederbayern 2.140 und in Schwaben 2.010 Plätze abgebaut werden.
Nach Angaben des Innenministeriums sollen vor allem die jeweils teuersten Unterkünfte geschlossen werden. Plätze würden nur dort verlängert oder neu angemietet, wo sie weiterhin benötigt würden und wirtschaftlich seien. Herrmann bezeichnete die Abbauziele für 2027 als „ambitioniert, aber realistisch“.
Der Bayerische Flüchtlingsrat sieht diese Entwicklung dagegen kritisch. Die Organisation warnt vor einem zu schnellen Abbau der Unterbringungskapazitäten. Es fehle ein konkreter Plan dafür, wie auch künftig ausreichend Plätze vorgehalten werden könnten.
Flüchtlingsrat warnt vor nächstem Unterbringungsnotstand
Der Flüchtlingsrat befürchtet, dass Bayern mit dem derzeitigen Kurs den Grundstein für die nächste Unterbringungskrise lege. Sollten wieder mehr Geflüchtete nach Bayern kommen, könne erneut ein Mangel an Unterbringungsplätzen entstehen. „Sobald wieder mehr Geflüchtete ankommen, beklagt man wieder einen Unterbringungsnotstand“, sagte Stephan Dünnwald, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats.
Kritik übt der Flüchtlingsrat außerdem daran, dass es aus seiner Sicht zu wenige Konzepte gebe, um Geflüchtete schneller aus den staatlichen Unterkünften in regulären Wohnraum zu vermitteln. Gerade sogenannte Auszugshilfen könnten nach Ansicht des Flüchtlingsrats großes Potenzial bieten. Das Innenministerium sei in diesem Bereich jedoch bislang nur unzureichend aufgestellt.
Damit stehen sich zwei unterschiedliche Bewertungen gegenüber: Während die Staatsregierung im Abbau der Unterkünfte eine Folge sinkender Zugangszahlen und eine finanzielle Entlastung sieht, warnt der Flüchtlingsrat vor fehlender Vorsorge für den Fall, dass die Zahl der neu ankommenden Geflüchteten wieder steigt.