Mi., 01.07.2026 , 16:27 Uhr

Stadt Hof

Sonnenplatz-Dealer: Zeugen berichten von Vertrieb über Instagram und mutmaßlichem Kellerlabor

Auch "Vertriebler" für das Hofer Land sollen gesucht worden sein

Ballerliquid-Prozess in Hof: Beweisaufnahme gestartet – Zeugen berichten von Vertrieb über Instagram und mutmaßlichem Kellerlabor

Vor der Jugendkammer des Landgerichts Hof wird derzeit gegen vier syrische Angeklagte im Alter von 16 bis 19 Jahren verhandelt. Ihnen wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr als Bande große Mengen sogenannten Ballerliquids mit synthetischen Cannabinoiden verkauft zu haben.

Bereits zum Prozessauftakt hatten die Angeklagten die Taten weitgehend eingeräumt. Nach ihren Angaben diente der Drogenhandel vor allem dazu, den eigenen Konsum zu finanzieren. Zwei Brüder gelten nach Auffassung der Ermittler als treibende Kräfte der Gruppe und sitzen seit Januar in Untersuchungshaft. Die beiden weiteren Angeklagten befinden sich auf freiem Fuß.

TVO begleitet zweiten Prozesstag – Beweisaufnahme beginnt

TVO war beim zweiten Verhandlungstag vor Ort, nun die Beweisaufnahme. Vor Gericht wurden zahlreiche Zeugen vernommen, darunter mehrere Polizeibeamte, die bereits vor den Festnahmen mit den Angeklagten in Kontakt gekommen waren.

Aus den Zeugenaussagen ging hervor, dass die Angeklagten den Kontakt zu potenziellen Käufern überwiegend über Instagram gepflegt haben sollen. Nach Einschätzung der Ermittler wurde die Plattform nicht nur für den Verkauf des Ballerliquids genutzt. Offenbar suchten die Beschuldigten dort auch nach neuen Vertrieblern, um ihr Netzwerk auszubauen.

Die Ermittlungen hatten im vergangenen Jahr schließlich zur Festnahme von insgesamt neun Personen geführt. Die Polizei hatte zuvor in mehr als 100 Fällen wegen des Konsums der gefährlichen Liquids ermittelt.

Zeugin berichtet von bunkerartigem Kellerraum

Breiten Raum nahm am zweiten Verhandlungstag auch die Aussage einer Polizeibeamtin ein. Sie schilderte die Durchsuchung der Kellerräume eines der Angeklagten.

Nach ihren Angaben stießen die Ermittler auf einen schwer zugänglichen, bunkerartigen Kellerraum. Dort fanden sie unter anderem Spritzen zum Aufziehen der Flüssigkeiten sowie verschiedene Flaschen mit augenscheinlichen Liquidresten. Zudem befanden sich in dem Raum Klappstühle und eine Matratze, sodass der Eindruck eines Aufenthaltsraums entstand.

Bereits laut Anklageschrift soll ein Keller als Lager und zum Abfüllen der bestellten Ware genutzt worden sein.

Ermittlungen zeichnen professionelles Vorgehen nach

Nach Überzeugung der Ermittler arbeitete die Gruppe arbeitsteilig. Einer der Angeklagten soll den Kellerraum zur Verfügung gestellt haben, während ein anderer die synthetischen Cannabinoide über das Darknet bestellte, die Sendungen an Packstationen liefern ließ und mit Paysafekarten bezahlte. Teilweise sollen bis zu fünf Liter des Stoffes auf einmal bestellt worden sein. Weitere Beschuldigte sollen Nachschub unter anderem aus Würzburg und Frankfurt beschafft haben. Die fertigen Liquids wurden nach den Ermittlungen in kleineren Mengen weiterverkauft.

Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren vor der Jugendkammer wird in den kommenden Wochen mit weiteren Zeugenvernehmungen und der Fortsetzung der Beweisaufnahme fortgesetzt.

Untertitel wurden automatisiert erstellt
Baller-Liquids Beweisaufnahme Drogen Prozess Sonnenplatz Syrer

Das könnte Dich auch interessieren

23.04.2026 02:52 Min Gefahr „Baller-Liquids“: Präventionskampagne soll Jugendliche schützen Über 200 Fälle der Droge in Hochfranken angezeigt 04.02.2026 02:34 Min Illegaler Drogenhandel am Hofer Sonnenplatz: Lebensgefahr durch "Baller-Liquids" Mehrere Festnahmen nach Handel mit illegalem Liquid 30.03.2026 01:57 Min Landgericht Hof: "Ich trage die Verantwortung" - Thomas Hoffmann äußerst sich selbst zur Anklage Der Tankstellenbetreiber hätte von Anfang "ein ungutes Bauchgefühl" gehabt 25.02.2026 01:34 Min Anklage wegen gewerbs- und bandenmäßigem Schmuggel in rund 1.650 Fällen: Prozess am Landgericht Hof beginnt Der entstandene Steuerschaden wird auf etwa 69 Millionen Euro geschätzt