Der Freistaat Bayern möchte bis Ende 2027 ein Viertel seiner Unterkunftsplätze für Geflüchtete abbauen. Der Grund sind rückäufige Zugangszahlen. Außerdem verspricht sich der Freistaat Einsparpotentiale in Milliardenhöhe. Die Zielmarke für den Abbau sind 42.000 Plätze.
Auswirkungen in den Regionen
In Oberfranken sind verschiedene Standorte betroffen. So wird die Containerunterkunft in Schwarzenbach an der Saale aufgelöst, für die das Landratsamt Hof zuständig ist. Die Bereichsleiterin Katrin von Mammen ist guter Dinge, was die Vermittlung von 19 Personen angeht, die noch in der Unterkunft wohnen: „Wir nutzen zum Beispiel das Projekt WOFA, Wohnen für alle. Die Mitarbeiter sind in der Unterkunft gewesen und geben den Bewohner eine Art Nachhilfe für den Wohnungsmarkt.“ An anderen Standorten sind die Sorgen dagegen größer.
Breitenau in Bamberg betroffen
In der Bamberger Breitenau leben 90 Personen in einer Gemeinschaftsunterkunft, die die Regierung von Oberfranken bei der Stadt Bamberg angemietet hat. Der Vertrag wurde zum 31. Dezember gekündigt, wegen Renovierungsarbeiten sollen die Bewohner bereits zum 31.Oktober ausziehen. Safia Sajadi, die 2022 aus Afghanistan nach Deutschland und später nach Bamberg kam, sieht das kritisch: „Die Zeitspanne ist zu kurz.“ Simone Oswald vom Verein „Freund statt fremd“ weist auf die spezielle Situation von Geflüchteten hin: „Das sind für private Vermieter keine Wunschmieter.“ Allerdings gäbe es viele Beispiele, wonach Flüchtlinge gut auf dem Wohnungsmarkt untergekommen seien. Sogar Freundschaften seien entstand, so Simone Oswald.
Freistaat verteidigt Kurs
Holger Dremel ist nicht nur Abgeordneter im Stimmkreis Bamberg-Land, der frühere Polizist bringt seine Erfahrung als innenpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag ein. Am Rande der Klausur auf Kloster Banz äußerte er sich gegenüber TVO zu dem Thema. „Die Emotionen verstehe ich“, so Dremel, der aber auch auf das Recht der Steuerzahler hinweist, dass der Freistaat Bayern Kapazitäten zurückbaut. Zudem gäbe es viele Bewohner, die als Asylbewerber bereits anerkannt seien. „Die müssten sich eh auf dem freien Markt um eine Wohnung kümmern“, sagt Holger Dremel, der aber auch verspricht, dass niemand auf der Straße landen müsse: „Wir verteilen die Leute in Bamberg Stadt und Land auf weiterhin bestehende Unterkünfte“. Doch aktuell besteht für die betreffenden Bewohner eine Drucksituation. Simone Oswald von „Freund statt fremd“ sorgt sich um Erfolge bei der Integration: „Viele haben Arbeit, sie nutzen aber öffentliche Verkehrsmittel oder gehen zu Fuß. Eine neue Wohnung auf dem Land kann mitunter zu Problemen führen, da sind unter Umständen Jobs in Gefahr.“
Weitere Unterkünfte für Flüchtlinge in Oberfranken schließen
Neben der Breitenau in Bamberg werden noch weitere Unterkünfte für Flüchtlinge in Oberfranken schließen. Darunter zwei Gemeinschaftsunterkünfte, die die Regierung von Oberfranken selbst verwaltet: Am Hundsanger in Kulmbach müssen die Bewohner ebenfalls bis zum 31. Oktober ausziehen. In der Sally-Ehrlich-Straße in Coburg bleibt ihnen bis Ende Februar nächsten Jahres Zeit.