Ein letzter Blick in die leeren Regale. Nach 40 Jahren ist Schluss: Die Bergapotheke in Fichtelberg schließt für immer. Für Apotheker Harald Ott und seine Frau endet damit ein langes Berufsleben, der Ruhestand steht an. Für die Gemeinde bedeutet die Schließung einen tiefen Einschnitt. Denn mit der Bergapotheke verliert Fichtelberg seine einzige Apotheke – und damit einen wichtigen Anlaufpunkt für die medizinische Versorgung vor Ort.
Fünf Jahre lang hat Harald Ott nach einem Nachfolger gesucht. Doch trotz aller Bemühungen fand sich niemand, der sein Lebenswerk fortführen wollte. Ein abgelegener Standort, hohe berufliche Verpflichtungen und fehlende wirtschaftliche Planungssicherheit machen die Übernahme schwierig. Hinzu kommt ein Arbeitsalltag, der sich nur schwer mit einer modernen Work-Life-Balance vereinbaren lässt.
Besonders für ältere Menschen könnte die Schließung zum Problem werden. Wer nicht mehr mobil ist oder kein eigenes Auto besitzt, ist auf kurze Wege und eine erreichbare Anlaufstelle angewiesen. Mit dem Wegfall der Apotheke wird die Versorgung für manche Menschen komplizierter.
Immer weniger Apotheken, immer längere Wege
Fichtelberg ist kein Einzelfall. Auch in Kulmbach hat sich die Zahl der Apotheken deutlich verringert: Gab es früher 14 Standorte, sind es heute nur noch sieben. Die Zahl hat sich damit halbiert. Eine Entwicklung, die auch im Alltag der Menschen spürbar wird.
Weniger Apotheken bedeuten nicht zwangsläufig eine schlechtere Versorgung. Doch die Wege werden länger, und die verbleibenden Betriebe müssen die Versorgung zunehmend allein sicherstellen. Gerade in ländlichen Regionen kann der Verlust eines Standorts schwer wiegen. Was bisher selbstverständlich war – schnell Medikamente abzuholen, ein Rezept einzulösen oder sich persönlich beraten zu lassen –, wird für manche Menschen zur Herausforderung.
Doch warum geraten immer mehr Apotheken unter Druck? Hans Peter Hubmann, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands, sieht die Ursachen vor allem in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Steigende Betriebskosten und eine unzureichende wirtschaftliche Perspektive erschweren es vielen Apotheken, langfristig rentabel zu arbeiten.
Dabei übernehmen Apotheken wichtige Aufgaben in der Gesundheitsversorgung – unabhängig davon, ob sie sich in einer Großstadt oder in einer kleinen Gemeinde befinden. Die Anforderungen bleiben hoch, auch wenn die Zahl der Kundinnen und Kunden am Standort begrenzt ist. Der Apothekerverband sieht deshalb politischen Handlungsbedarf. Es geht um die Frage, wie sich die Arzneimittelversorgung vor Ort dauerhaft sichern lässt.
Ein Gegenmittel ist nicht in Sicht
Für Harald Ott ist die Entscheidung gefallen. Ganz ohne Unterstützung sollen die Menschen in Fichtelberg dennoch nicht bleiben. Sein Sohn, selbst Apotheker in Wunsiedel, will künftig mit einem Botendienst helfen und die Versorgung zumindest teilweise auffangen. Das kann insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine Entlastung sein. Eine Apotheke direkt vor Ort ersetzt es allerdings nicht vollständig.
Die Entwicklung in Oberfranken zeigt, wie eng die Zukunft der Apotheken mit der Versorgung im ländlichen Raum verknüpft ist. Wenn Betriebe schließen und Nachfolger fehlen, verlieren Gemeinden nicht nur Geschäfte, sondern auch wichtige Teile ihrer Infrastruktur. Für die Menschen bedeutet das längere Wege und möglicherweise einen höheren organisatorischen Aufwand, wenn sie Medikamente benötigen.
Die Schließung der Bergapotheke steht damit beispielhaft für eine Entwicklung, die weit über Fichtelberg hinausreicht. Auch andernorts geraten Apotheken unter wirtschaftlichen Druck. Die Suche nach tragfähigen Lösungen geht weiter, doch ein wirksames Gegenmittel gegen das Apothekensterben in Oberfranken ist derzeit nicht in Sicht. Die Folgen treffen nicht nur die Apotheker selbst, sondern vor allem die Menschen, die auf eine wohnortnahe Versorgung angewiesen sind.