Auf deutschen Straßen nimmt aggressives Verhalten offenbar weiter zu. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Demnach gaben 47 Prozent der Befragten an, zumindest gelegentlich zu drängeln. Bei der vorherigen Erhebung im Jahr 2023 waren es noch 39 Prozent. Auch beim Überholen zeigt sich eine zunehmende Rücksichtslosigkeit: Fast ein Drittel der Befragten räumte ein, nach einem Überholvorgang so knapp einzuscheren, dass das überholte Fahrzeug bremsen müsse.
Auch gegenüber Radfahrern steigt die Aggressivität. Acht Prozent der befragten Autofahrer gaben an, beim Überholen kaum Rücksicht auf Fahrradfahrer zu nehmen. Damit hat sich ihr Anteil gegenüber 2023 verdoppelt. Gleichzeitig berichteten auch Radfahrer häufiger von aggressivem Verhalten, etwa dem Drängeln auf Radwegen oder dem Vorbeifahren an wartenden Radfahrern an roten Ampeln.
Smartphone-Nutzung am Steuer nimmt zu
Neben aggressivem Verhalten bereitet der zunehmende Gebrauch von Smartphones während der Fahrt Sorgen. Mehr als jeder fünfte befragte Autofahrer nutzt demnach zumindest gelegentlich soziale Medien am Steuer. Vor drei Jahren lag der Anteil noch bei etwas mehr als zehn Prozent. Auch Textnachrichten werden weiterhin während der Fahrt verschickt und ebenso häufig wird während des Autofahrens im Internet gesurft.
Besonders auffällig ist, dass das Bewusstsein für die Gefahren gleichzeitig abnimmt. Zwar halten 74 Prozent der Befragten das Schreiben von Nachrichten während der Fahrt für „sehr risikoreich“. 2023 waren es jedoch noch 84 Prozent. Vor allem jüngere Menschen greifen laut Umfrage häufiger während der Fahrt zum Smartphone als ältere Verkehrsteilnehmer.
Verkehr als Spiegel der Gesellschaft
Die UDV sieht den zunehmenden aggressiven Umgang im Straßenverkehr auch als Teil einer allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung. „Der Straßenverkehr ist ein Abbild der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung“, sagte UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Gleichzeitig könne auch die Verkehrsinfrastruktur Konflikte begünstigen. Zu enge Radwege und unübersichtliche Kreuzungen könnten beispielsweise zu Spannungen zwischen Auto- und Radfahrern führen.
Trotz der Entwicklung fühlen sich die meisten Menschen im Straßenverkehr weiterhin sicher. 58 Prozent der Befragten bezeichneten sich als „sicher“ oder „sehr sicher“. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als 2023. Ältere Verkehrsteilnehmer fühlen sich dabei grundsätzlich sicherer als jüngere. Auch Männer schätzen ihre Sicherheit im Straßenverkehr höher ein als Frauen.
Für die Umfrage wurden zwischen März und April 2026 mehr als 2.000 Menschen ab 18 Jahren online befragt.