Es war ein Theaterbeben in Coburg im Mai: Der damalige Intendant Neil Barry Moss musste vorzeitig gehen, mit Ulrich Peters fungiert nun eine Interimslösung als Theaterchef für die nächsten zwei Jahre. Gleich in seiner ersten Spielzeit wartet auf den neuen Mann am Landestheaterruder eine verantwortungsvolle Aufgabe: Er darf das 200-jährige Jubiläum des Hauses gestalten. Doch bei der Präsentation der neuen Spielzeit ist dieses Ereignis noch nicht das Hauptthema.
Premierenreigen im Herbst
Los geht die neue Spielzeit mit einer Uraufführung im Opernbereich: „Caligari“ stammt von Ulrich Kreppein, Alexander Charim wird inszenieren. „Das ist die Bühnenversion des Stummfilmklassikers `Das Kabinett des Professor Caligari'“, erklärt Ulrich Peters. Und: „Mein Vor-Vorgänger Bernhard Loges hat das in Auftrag gegeben. Ich finde es stark, dass das Landestheater eine Uraufführung stemmen wird.“ Mit „La traviata“ folgt eine beliebte Verdi-Oper am 31. Oktober. Weitere Premieren im Musiktheaterbereich sind: „Der Graf von Monte Christo“ (06.02.2027), „Beatrice di Tenda“ (20.03.2027) und „Der Vampyr“ (08.05.2027).
Schauspiel und Ballett ziehen nach
Das Ballett erhält unter der neuen Leitung wieder mehr Gewicht. Der neue (Interims-)direktor Hans Henning Paar choregrafiert am 16. Oktober in der Reithalle „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“. Da sei eigentlich ein Schauspiel von Peter Handke. „Da mache ich eine Tanzperformance, in der geht es um Begegnungen und ums Auseinandergehen“. Weiterhin geplant seien „Eine Winterreise“ (Premiere am 05.12.2026), „Der kleine Prinz“ (03.04.2027) und das „Dancelab“ am 28. Mai. Als „First Steps“ hatte es ein ähnliches Format unter Mark McClain gegeben, die Kompanie darf hier erste Versuche im Choreografiebereich unternehmen.
Frauen im Fokus
Das Schauspiel geht in eine oft feministische Richtung. „How to date a Feminist“ von Samantha Ellis sei am 25. September ein augenzwinkernder Beitrag zu diesem Thema, so Anna Verena Freybott. Sie ist die Schauspieldramatiurgin. Während dieses Stück in der Reithalle zu sehen sein wird, geht es mit „Kasimir und Karoline“ (Ödon von Horváth) am 03. Oktober auf die Bühne im GLOBE. Weitere Premieren im Schauspiel sind: „Das doppelte Lottchen“ (21.11.2026), „Der Messias“ (28.11.2026), „Biedermann und die Brandstifter“ (27.02.2027), „Im Westen nichts Neues“ (09.04.2027) und „Der Liebling“ (17.04.2027).
Neue Spielorte
Außerdem wird es „Elisabeth“ als Interpretation des Sisi-Stoffs von Mareike Fallwickl zu sehen geben – und zwar in der Hofkirche der Ehrenburg ab dem 22. Mai 2027. „Mit ‚Royals‘ geht es dann hoch auf die Veste, wo wir den Innenhof bespielen“, freut sich Freybott (sie inszeniert das Stück auch) auf diese Premiere am 29. Mai 2027.
Wiederaufnahmen beliebter Stücke
Drei Wiederaufnahmen stechen im Programm ins Auge: „My Fair Lady“ hat bereits in dieser Spielzeit Sondertermine erhalten, ab dem 14. November geht es im GLOBE weiter. „The Addams Family“ folgt am 10. Oktober. Kurios: das musiklastige Stück hat erst am 20. Juni Premiere, der Vorverkauf läuft bis zum Ende der aktuellen Spielzeit aber schon mehr als gut. „Prima Facie“ rundet die Wiederaufnahmen ab. Wir erinnern uns: das Einpersonenstück mit Spielort Landgericht Coburg brachte Milena Weber den Kulturförderpreis des Freisstaats Bayern ein.
Jubiläumsprogramm folgt im Herbst
Sinfoniekonzerte und andere Formate werden das Philharomonische Orchester des Landestheaters in Szene rücken. Laut Intendant Ulrich Peters laufen die Verhandlungen mit den potentiellen Nachfolger von Daniel Carter, der in einigen Wochen endgültig nach Weimar wechseln wird. Wegen der ausstehenden Personalie sind deswegen einige Programme noch lückenhaft und offen, der neue GMD soll Gestaltungsspielraum bekommen. Was ebenso noch fehlt ist das Programm für die große Jubiläumswoche im Juni 2027. „Das stellen wir gesondert nach der Sommerpause vor“, wirft Ulrich Peters einen Blick voraus.