„Ich werd’ doch nicht zum Alkoholiker.“ – „Es war doch nur ein Mal.“ – „Ich kann nichts dagegen machen.“
Sätze wie diese hallten durch die Dr.-Stammberger-Halle und gaben einen eindringlichen Einblick in die Gedankenwelt suchtgefährdeter Menschen. Beim Präventionstheaterprojekt „Entscheidungen“ wurde deutlich, wie stark Alkohol, Drogen und Tabakkonsum das Leben junger Menschen beeinflussen können.
Was auf der Bühne zu sehen war, entsprang nicht etwa reiner Fiktion. Vielmehr spiegelten die Szenen reale Erfahrungen wider – Geschichten, die Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse des Caspar-Vischer-Gymnasium Kulmbach selbst erlebt oder beobachtet haben. Genau das verleiht dem Stück seine besondere Intensität: Es zeigt den schmalen Grat zwischen vermeintlich harmlosen Entscheidungen und möglichen Abhängigkeiten.
Das Projekt wurde gemeinschaftlich von der Naturbühne Trebgast und der Polizei Bayreuth ins Leben gerufen. In einem einwöchigen Workshop entwickelten die Jugendlichen das Stück selbst – unterstützt durch kreatives Schreiben, Theaterübungen und intensive Diskussionen. So entstand ein einstündiges Präventionsformat, das nah an der Lebensrealität der Jugendlichen bleibt.
Dabei zeigt sich ein Wandel: Klassischer Alkohol- und Zigarettenkonsum ist laut Polizei rückläufig. Stattdessen rücken andere Substanzen stärker in den Fokus. Die Hemmschwelle, Neues auszuprobieren, scheint gesunken zu sein – auch weil Gruppendruck und Neugier eine große Rolle spielen.
Viele Erwachsene erinnern sich daran, selbst als Jugendliche erste Erfahrungen mit Alkohol gemacht zu haben. Doch heute, so die Einschätzung von Fachleuten, gehe der Schritt hin zu riskanterem Konsum oft schneller. Das Präventionstheater greift genau diese Entwicklung auf und macht sie für das junge Publikum greifbar.
Für die beteiligten Schülerinnen und Schüler war die Projektwoche ein voller Erfolg. Statt erhobenem Zeigefinger setzt „Entscheidungen“ auf aktive Auseinandersetzung. Die Jugendlichen werden nicht belehrt, sondern dazu angeregt, eigene Positionen zu entwickeln und Risiken kritisch zu hinterfragen.
Das Konzept überzeugt auch über die Premiere hinaus: Künftig soll das Stück in Schulen in ganz Oberfranken aufgeführt werden. Ziel bleibt es, junge Menschen frühzeitig zu sensibilisieren und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Denn am Ende geht es genau darum: die eigenen Entscheidungen zu verstehen – bevor sie das eigene Leben bestimmen.