Mo., 12.10.2026 , 17:42 Uhr

Landkreis Wunsiedel

Großalarm in Marktredwitz: 400 Einsatzkräfte proben den Giftgas-Ernstfall

Katastrophenschutzübung am Klinikum Fichtelgebirge

In Marktredwitz herrschte am Freitag (9. Oktober) Ausnahmezustand, als zahlreiche Einsatzkräfte mit Blaulicht und Sirene zum Klinikum Fichtelgebirge ausrückten. Teilweise kam es dadurch zu Verkehrsbehinderungen im Stadtgebiet. Doch hinter dem Großaufgebot steckte kein echter Notfall, sondern die großangelegte Katastrophenschutzübung „KLINIK EXERCISE“, kurz KLEX 2026. Rund 400 Einsatzkräfte probten dabei den Ernstfall und trainierten die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen. Ziel der Übung war es, auf einen möglichen Gefahrstoffunfall bestmöglich vorbereitet zu sein und die Abläufe für Ernstfall zu optimieren.

Hochgiftiger Kampfstoff Senfgas löst das Übungsszenario aus

Ausgangspunkt der Übung war ein Logistikmitarbeiter, dem nach der Auslieferung eines Pakets plötzlich unwohl wurde. Das Paket enthielt im simulierten Szenario den Kampfstoff Schwefel-Lost, der auch als Senfgas bekannt ist. Die hochgiftige Substanz reizt Haut und Schleimhäute stark und kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Bei Hautkontakt können sich Blasen bilden, zudem sind schwere Vergiftungserscheinungen bis hin zum Kreislaufstillstand möglich. Als die Mitarbeitenden des Klinikums die Gefahr erkennen, aktivieren sie den internen Notfallplan und fordern spezialisierte Feuerwehreinheiten mit Gefahrgutzug und Dekontaminationsausrüstung an.

Großaufgebot aus mehreren Landkreisen und Tschechien

Um die Gefahr einzudämmen, waren rund 400 freiwillige Einsatzkräfte am und um das Klinikum sowie an einer weiteren Dekontaminationsstelle in Lorenzreuth im Einsatz. Wegen des hohen Koordinierungsbedarfs wurden zusätzlich Kräfte aus den Landkreisen Hof und Tirschenreuth eingebunden. Auch der Landrat des Landkreises Wunsiedel wurde über die Lage informiert. Unterstützung kam außerdem aus dem benachbarten Tschechien. Die Übung sollte zeigen, wie die verschiedenen Einheiten über Landkreis- und Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten und ihre Maßnahmen aufeinander abstimmen können.

Dekontamination verhindert die weitere Ausbreitung des Gefahrstoffs

Eine zentrale Herausforderung bestand darin, möglicherweise kontaminierte Personen sicher zu dekontaminieren und eine weitere Ausbreitung des Giftstoffs zu verhindern. Dafür errichteten die Einsatzkräfte spezielle Duschzelte, in denen betroffene Personen gereinigt werden konnten. Solche Maßnahmen sind entscheidend, damit der gefährliche Stoff nicht von kontaminierten Menschen in andere Bereiche getragen wird. Die Übung dauerte bis in die Abendstunden und forderte die beteiligten Kräfte in unterschiedlichen Einsatzbereichen. Bei einem tatsächlichen Katastrophenfall könnte ein solcher Einsatz jedoch mehrere Tage dauern, weshalb eine gute Vorbereitung und eingespielte Abläufe besonders wichtig sind.

Katastrophenschutz wird weiter ausgebaut: Neues Zentrum in Lichtenfels

Die Erkenntnisse aus der Übung KLEX 2026 sollen im Nachgang ausgewertet werden, um Schwachstellen zu erkennen und die Einsatzabläufe weiter zu verbessern. Solche Übungen gewinnen angesichts möglicher Gefahrstoffunfälle und anderer Katastrophenlagen zunehmend an Bedeutung.
Auch der Landkreis Lichtenfels stärkt seine Strukturen im Katastrophenschutz. Dort wurde am Sonntag (11. Oktober) ein neues Katastrophenschutzzentrum in Schney eingeweiht, an dessen Eröffnung auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann teilnahm. Bei einem Tag der offenen Tür konnten sich Bürgerinnen und Bürger einen Eindruck von dem Gebäude verschaffen, in dem künftig wichtige Ressourcen des Katastrophenschutzes gebündelt werden und auch der Gefahrenschutzzug der Feuerwehr Lichtenfels/Main untergebracht ist.

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