Mo., 30.03.2026 , 16:35 Uhr

Stadt Hof

Landgericht Hof: "Ich trage die Verantwortung" - Thomas Hoffmann äußerst sich selbst zur Anklage

Der Tankstellenbetreiber hätte von Anfang "ein ungutes Bauchgefühl" gehabt

Am Landgericht Hof läuft einer der wohl umfangreichsten Prozesse der jüngeren Geschichte der Region: Im sogenannten Schmierölprozess steht der Tankstellenbetreiber Thomas Hoffman gemeinsam mit sieben weiteren Angeklagten vor Gericht. Im Zentrum der Vorwürfe steht ein mutmaßlich groß angelegtes System der Steuerhehlerei.

Millionenbetrug mit Kraftstoff

Die Staatsanwaltschaft wirft Hoffman vor, rund 90 Millionen Liter Kraftstoff unversteuert verkauft zu haben. Dabei soll eine Energiesteuer in Höhe von etwa 44 Millionen Euro hinterzogen worden sein. Die Ermittlungen wurden eingeleitet, nachdem Zollbehörden mehrere seiner Tankstellen kontrolliert hatten.

Beim aktuellen Verhandlungstermin, der rund zwei Stunden dauerte, kam es zu einem entscheidenden Moment: Erstmals äußerte sich Hoffman über seine Anwältin zu den Vorwürfen. In der Erklärung übernahm er die Verantwortung für die Taten weitgehend selbst. Hoffmann betonte, dass es für ihn keine einfache Situation gewesen ist. Stetiger Druck in täglichen Preisverhandlungen hätte ihn sogar in eine Überlastungsdepression getrieben. Der ihm angebotene Vertrag einer Kraftstoff-Firma war deshalb zu verlockend für Ihn. Er hätte nicht mehr verhandeln müssen, da sich der Preis im Vertrag genau ergibt. Hoffman bezeichnete die Situation als „Win-Win-Situation“ für die gesamte Firma.

Jedoch hätte er bereits nach den ersten Unstimmigkeiten mit Lieferanten ein „Ungutes Bauchgefühl“ zum neuen Vertrag gehabt, welches er jedoch konsequent ignorierte.

Auch gesundheitlich stehe er aktuell nicht gut da. Vor Prozessbeginn habe man bei Ihm eine beginnende Alzheimer-Demenz diagnostiziert. Nur einer der Gründe, weshalb er betont, dass er künftig keine weiteren Fragen mehr selbst beantworten und sich ausschließlich von seinen Anwälten vertreten lassen werde.

Hoffmann entschuldigte sich zudem bei allen, denen er Unrecht getan habe. Vor allem möchte er seine Familie, Freunde und seine Angestellten um Vergebung bitten. Sie hätten unnötig unter der Situation leiden müssen, für die er verantwortlich ist.

Mitangeklagte schildert persönliche Notlage

Auch die Mitangeklagte Veronica R. äußerte sich vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, am Vertrieb des Kraftstoffs beteiligt gewesen zu sein und dafür Schwarzgeld erhalten zu haben. Unter Tränen berichtete sie, bereits früh ein ungutes Gefühl gehabt zu haben. Dennoch habe sie aus finanzieller Not weiter Kunden telefonisch akquiriert.

Seit ihrer Festnahme vor rund einem Jahr sitzt sie in Untersuchungshaft. Besonders belastend sei für sie die Trennung von ihrem fünfjährigen Kind gewesen, die sie als kaum erträglich beschrieb. Die Stellungnahme vor Gericht nutzte sie daher auch, um ihre persönliche Situation darzulegen. Die Beweisaufnahme soll Anfang April beginnen. Ein Urteil in dem aufwendigen Verfahren wird derzeit für Ende Oktober erwartet.

 

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