Es war eine kurze Hängepartie: Ulrich Peters wird als Interimsintendant das Landestheater Coburg durch die nächsten beiden Spielzeiten führen. Er folgt auf Neil Barry Moss, dessen Vertrag zum Ende der Spielzeit aufgelöst wird. Eigentlich lief das Arbeitspapier mit der Stadt Coburg bis 2029, doch Moss‘ Wechselwunsch nach Münster führte zum Vertrauensbruch.
Schneller Aufstieg, noch schnellerer Fall
Im Herbst 2022 inszenierte Neil Barry Moss mit „Fausts Verdammnis“ seine erste Oper in Coburg, damals in der Morizkirche. Die Arbeit beeindruckte offenbar, denn 2023 wurde der Südafrikaner zum Operndirektor berufen. Nach dem Abgang von Bernhard Loges als Intendant und dem Wechsel in die Interimsspielstätte GLOBE sollte ein Direktorengremium das Haus führen. Doch bereits 2024 gab die Stadt Coburg bekannt, Neil Barry Moss zum Intendanten berufen zu haben. Die Erwartung: der neue Chef sollte die Übergänge auf den Posten von Generalmusik-, Ballett- und Schauspieldirektor langfristig regeln, alle drei Posten werden aus unterschiedlichen Gründen am Ende der laufenden Spielzeit frei. Zudem galt es eine Jubiläumssaison zu managen, 2027 feiert das Landestheater Coburg sein 200-jähriges Bestehen. Doch am 26. März dieses Jahres platzte die Meldung der Stadt Coburg herein: „Die Mitglieder des Theaterausschusses wurden durch den Intendanten Neil Barry Moss erst kurzfristig darüber informiert, dass dieser, beginnend mit der Spielzeit 2027/2028, zum Generalintendanten am Theater Münster berufen wurde. Der Theaterausschuss wird sich mit diesem Wechselwunsch in den kommenden Tagen befassen.“
Wechsel schon in diesem Sommer
Die Kürze der Mitteilung ließ erahnen: Stadtspitze um Oberbürgermeister Dominik Sauerteig war maximal irritiert. Bald war nicht nur hinter den Kulissen klar, dass Neil Barry Moss keine große Zukunft am Landestheater haben würde. Die Inszenierung der Oper „Salome“ Anfang Mai durfte er noch verantworten, nun gilt Moss als freigestellt. Auf die Interimslösung Ulrich Peters sei die Stadt durch einen Tipp gekommen. Ex-Intendant Bodo Busse habe den frühreren Chef des Gärtnerplatz-Theaters in München und des Theaters in Karlsruhe empfohlen. Peters, Jahrgang 1955, könnte eigentlich seinen Ruhestand genießen. Doch Coburg scheint ihn zu reizen.
Klare Vorstellung, erfahrenes Team
„In Nordrhein-Westfalen hätte ich das Engagement nicht übernommen“, so Peters bei seiner Vorstellung. Bayern scheint wegen der stabilen Finanzen für den Kulturschaffenden also eine attraktive Option zu sein. Der bald 71-jährige möchte den Spielplan für die nächste Saison finalisieren, am 17. Juni ist die Vorstellung. Die bisherigen Planungen waren offenbar nicht zufriedenstellend, der neue Intendant vermisst neben einer Festoper (oder zumindest einem Werk, das dem gleichkommt) auch eine „große Party“ im Terminkalender. Heavy-Metal-Fan Ulrich Peters würde eine Band aus diesem Metier nicht ausschließen wollen. Der erfahrene Kulturmanager bringt mit Frank Behnke als Schauspiel- und Hans Henning Paar als Ballettdirektor zwei Mitarbeiter nach Coburg, mit denen er in der Vergangenheit bereits gearbeitet hat. Das Team wirkte fast zehn Jahre am Theater Münster – also ausgerechnet an jener Stätte, in der Neil Barry Moss ab Herbst 2027 das Sagen haben soll.