Wenn Jugendliche straffällig werden, muss nicht immer ein klassisches Gerichtsverfahren folgen. In Hof gibt es mit dem sogenannten Teen Court ein Projekt, bei dem Gleichaltrige mit jugendlichen Straftätern über deren Verhalten und die möglichen Folgen sprechen. Nun sind die neuen Schülerrichter offiziell ernannt worden. Bei der Ernennung war auch der bayerische Justizminister anwesend.
Die Schülerrichter übernehmen ihre Aufgabe freiwillig. Sie begegnen den Jugendlichen auf Augenhöhe und versuchen, die Hintergründe einer Tat zu verstehen. Statt mit erhobenem Zeigefinger zu belehren, setzen sie auf Gespräche und eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten. Der Gedanke dahinter: Jugendliche können Gleichaltrige oft auf eine andere Weise erreichen als Erwachsene.
Auch wenn der Name es vermuten lässt, sind die Schülerrichter keine Richter im klassischen Sinne. Sie sprechen keine Urteile und verhängen keine Strafen. Stattdessen können sie erzieherische Maßnahmen vereinbaren beziehungsweise anordnen. Dazu gehören beispielsweise eine Entschuldigung, die Wiedergutmachung eines Schadens oder gemeinnützige Arbeit. Die Schülerrichter begleiten und überprüfen anschließend die Umsetzung der Maßnahmen.
Voraussetzung für die Teilnahme am Teen Court ist unter anderem, dass die Jugendlichen die begangene Tat zugeben. Ob ein Verfahren tatsächlich eingestellt wird, entscheidet weiterhin die Staatsanwaltschaft. Der Teen Court ersetzt also nicht die Justiz, sondern bietet eine zusätzliche Möglichkeit, auf jugendliches Fehlverhalten zu reagieren und weitere Straftaten zu verhindern.
Die Verantwortung, die mit dem Amt verbunden ist, ist groß. Deshalb werden die Jugendlichen auf ihre Aufgabe gezielt vorbereitet. Sie lernen, Gespräche zu führen, die Situation der Betroffenen einzuschätzen und angemessene Konsequenzen zu finden. Dabei sollen sie nicht nur die Tat selbst betrachten, sondern auch deren Auswirkungen auf andere Menschen.
Die neuen Schülerrichter in Hof sind nun mindestens ein Jahr im Amt. In dieser Zeit sollen sie dazu beitragen, dass straffällig gewordene Jugendliche ihr Verhalten reflektieren und Verantwortung übernehmen. Das Konzept setzt dabei vor allem auf gegenseitiges Verständnis, klare Konsequenzen und den Austausch auf Augenhöhe.