Die Vorschläge der parteiunabhängigen Wahlkreiskommission des Deutschen Bundestages werden in Oberfranken heftig diskutiert.
Da die bayerischen Wahlkreise von der Bevölkerungszahl her in etwa gleich groß sein müssen, muss durch Gebietszuschnitte ein Gleichgewicht der Stimmen sichergestellt sein – egal, ob diese aus einem dicht bevölkertem Ballungsraum-Wahlkreis kommen, oder aus einem weiter gefassten ländlichen Wahlkreis.
Nun geben die sinkenden Bevölkerungszahlen in Oberfranken Anlass zum Handeln: Oberfranken soll einen Wahlkreis abgeben – dafür soll Oberbayern einen hinzubekommen. Zwei Modelle stehen hier zur Debatte, die aus Sicht der Wahlkreiskommission gleichwertig erscheinen.
Variante 1: Auflösung des Wahlkreises Kulmbach
Diese Neustruktur würde den Landkreis Lichtenfels wahltechnisch in den Wahlkreis Coburg bringen – und der Hofer Wahlkreis würde wieder die Gemeinde Geroldsgrün bekommen, was dann faktisch eine Wiederannäherung an die Landkreisgrenzen bedeutet. Auch der Landkreis Kulmbach würde dann wahltechnisch Hof zugeordnet werden.
Variante 2 – Auflösung des Wahlkreises Coburg
Hier würde zum Wahlkreis Hof der Kronacher Landkreis, sowie die Gemeinde Geroldsgrün hinzukommen. Der Kulmbacher Wahlkreis gibt einen Teil des Bamberger Landkreises ab, bekommt dafür aber Stadt- und Landkreis Coburg dazu.
Nähe geht verloren – Distanz wächst
Egal, welche Variante letztlich zum Tragen kommt: Politikwissenschaftler sehen hier vor allem für ländlich geprägte Wahlbereiche das Problem, dass bei einem entsprechenden Neuzuschnitt die jeweiligen Wahlkreisvertreter keine direkte Nähe mehr zu Ihrer Region hätten und entsprechend die Distanzen auch zur Bevölkerung immer größer wird.
Hoffnung auf Wahlrechtsreform
Der aktuelle Vorschlag der Wahlkreiskommission basiert noch auf Grundlage des derzeit geltenden Wahlrechts. Dieses möchte die Koalition in BErlin auch laut ihres Koalitionsvertrages wieder ändern. Es soll wieder sämtlichen Wahlkreisgewinnern der Einzug in den Bundestag ermöglicht werden. Denn strukturell schwache und demografisch herausgeforderte Regionen dürfen ihre politische Vertretung nicht zugunsten wachsender Speckgürtel-Regionen verlieren.