Die Orgel gilt als „Königin der Instrumente“ – und in Hof blickt sie auf eine außergewöhnlich lange Tradition zurück. Seit 650 Jahren wird hier Kirchenmusik auf der Orgel gespielt. Dieses besondere Jubiläum begeht die Stadt nun mit einem großen Kirchenmusikfestival unter der Schirmherrschaft von Joachim Herrmann. Der Auftakt ist am 3. Mai in der St. Marien geplant, das Finale findet am 4. Oktober in der St. Lorenz statt.
Hof als historischer Orgelstandort
Hof zählt zu den ältesten nachweisbaren Orgelstandorten in Bayern und Franken. Bereits 1376 ist eine Orgel im damaligen Franziskaner- und Klarissenkloster belegt. Damit steht die Saalestadt in einer Reihe mit Nürnberg (1345) und Eichstätt (1348).
Historisch ist das von besonderer Bedeutung: Nachdem byzantinische Mönche im 8. Jahrhundert die Orgel an den fränkischen Kaiserhof brachten, entstanden neue Instrumente in Mitteleuropa nur an ausgewählten Orten. Städte wie Würzburg (ab 1408), Bamberg (ab 1415) oder München (ab 1430) folgten deutlich später. Die Ursprünge der Orgel selbst reichen sogar bis ins Jahr 246 v. Chr. zurück, als der Ingenieur Ktesibios das Instrument entwickelte.
Wiederentdeckte Musik aus vergangenen Jahrhunderten
Das Festival nutzt das Jubiläum, um neben bekannten Werken auch selten gehörte Musik aufzuführen. Ein besonderer Höhepunkt ist ein Choral aus dem 12. Jahrhundert, der rund 500 Jahre lang nicht erklungen ist. Für Sängerin Lea Stühlmeyer stellt das eine besondere Herausforderung dar.
Entdeckt wurde die historische Handschrift von Barbara Stühlmeyer im Hofer Stadtarchiv. Sie übertrug die mittelalterliche Notation in ein modernes Notensystem – eine aufwendige Arbeit, die zusätzlich dadurch erschwert wurde, dass das Originaldokument im Laufe der Zeit als Bucheinband verwendet worden war.
Für die musikalische Umsetzung sorgt Ludger Stühlmeyer, der dafür ungewohnte Wege geht und sich intensiv mit der historischen Aufführungspraxis auseinandersetzt.
Festival verbindet Vergangenheit und Gegenwart
Mit dem Kirchenmusikfestival schlägt Hof eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Bis Anfang Oktober erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit Musik aus unterschiedlichen Epochen – von mittelalterlichen Klängen bis hin zu bekannten Werken der Kirchenmusik.
Auch wenn die Orgel in der St. Marien selbst nicht aus dem Mittelalter stammt, steht sie symbolisch für die lange Tradition der Stadt. Für Dekan Andreas Seliger ist das Festival daher mehr als eine Konzertreihe: Es ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass die jahrhundertealte Musikgeschichte Hofs bis heute weiterklingt.