Im Porzellanikon in Selb lagert ein ganz besonderer Schatz: das Archiv des Porzellanherstellers Rosenthal. Mehr als 15.000 Exponate und zahlreiche unvollendete Künstlerentwürfe erzählen die rund 130-jährige Unternehmensgeschichte. Das Archiv zeigt damit nicht nur fertige Produkte, sondern auch den Weg, auf dem sie entstanden sind. Für Selb ist die Sammlung zugleich ein wichtiges Zeugnis der regionalen Industriegeschichte.
Vater und Sohn mit zwei ganz unterschiedlichen Stilen
Die Geschichte von Rosenthal ist eng mit der Gründerfamilie verbunden. Philipp Rosenthal Senior setzte zunächst auf traditionelle, aufwendig verzierte Formen mit Reliefs, Durchbruchsarbeiten und Vergoldungen. Das Porzellan sollte den Geschmack und den gesellschaftlichen Status des gehobenen Bürgertums widerspiegeln. Ein Beispiel dafür ist das bis heute bekannte Service „Maria“. Sein Sohn Philipp Rosenthal Junior dagegen schlug später einen deutlich anderen Weg ein und stellte Funktionalität und modernes Design in den Mittelpunkt.
Schluss mit Kitsch und Schnörkeln
Unter Philipp Rosenthal Junior veränderte sich der Anspruch an das Porzellan grundlegend. Aus dem repräsentativen Kunstwerk sollte ein Gebrauchsgegenstand werden, der im Alltag seinen Platz findet. Statt üppiger Verzierungen standen klare, geometrische und teilweise asymmetrische Formen im Mittelpunkt. Ein Beispiel dafür ist der Bauhaus-Klassiker TAC. Rosenthal entwickelte sich damit zu einem Unternehmen, das Designgeschichte mitprägte und immer wieder neue gestalterische Wege einschlug.
Wie aus einer Sammlung ein Archiv wurde
Zum 100-jährigen Firmenjubiläum stellte ein Archivar 1978 eine besondere Ausstellung zusammen. Aus dieser Sammlung entwickelte sich über die Jahre ein umfangreiches Archiv. Neben den ursprünglichen Objekten kamen zugekaufte Exponate und Muster aus der Produktion hinzu. So wuchs die Sammlung auf mehr als 25.000 Teile an. Heute dokumentiert sie nicht nur die Produkte, sondern auch die Entwicklung und Geschichte des Unternehmens.
Ein Stück Rosenthal bleibt in der Region
Mit der Insolvenz von Rosenthal stellte sich auch die Frage nach der Zukunft des wertvollen Archivs. Die Oberfrankenstiftung kaufte schließlich die Sammlung und sicherte damit ihren Erhalt. Das Archiv kann dadurch in der Region bewahrt werden und bleibt als Zeugnis der Rosenthal-Geschichte bestehen. Für Selb bedeutet das auch, dass ein wichtiger Teil der eigenen Porzellan- und Industriegeschichte erhalten bleibt. Die Sammlung macht damit weiterhin sichtbar, welche Bedeutung das „weiße Gold“ für die Region hatte und bis heute hat.