Vor 40 Jahren prägten plötzlich Begriffe wie „Cäsium“ und „Becquerel“ den Alltag vieler Menschen. Ortsnamen wie Prypjat und Tschernobyl wurden weltweit bekannt. Sie stehen bis heute für die schwerste Katastrophe der zivilen Nutzung von Kernenergie. Der Super-GAU in der damaligen Sowjetunion löste tiefgreifende Ängste aus – Ängste, die im Alltag vieler Menschen inzwischen verblasst sind, deren Nachwirkungen jedoch fortbestehen.
Am 26. April 1986 veränderte sich die betroffene Region in der heutigen Ukraine für immer. Große Teile wurden unbewohnbar, zurück blieb eine Sperrzone, die bis heute von einem riesigen Sarkophag über dem zerstörten Reaktor und verlassenen Gebäuden geprägt ist.
Reise in eine verlassene Welt
Trotz – oder vielleicht gerade wegen – ihrer Geschichte übt die Region bis heute eine besondere Faszination aus. Auch der Fotograf Robert Mück aus Selb zog es dorthin. Seit vielen Jahren mit der Kamera unterwegs, reiste er 2014 zunächst nach Kiew und von dort weiter in das Sperrgebiet, das er zuvor nur aus Fernsehbildern kannte.
Sein Besuch war geprägt von Respekt und Vorsicht. Sensationslust spielte für ihn keine Rolle. Stattdessen wollte er dokumentieren, festhalten und verstehen. Ausgerüstet mit Jodtabletten und einem Dosimeter bewegte er sich durch die Zone – stets im Bewusstsein, dass auch Jahrzehnte nach dem Unglück noch Strahlung von vielen Orten ausgeht.
Zwischen Risiko und Erinnerung
Überrascht zeigte sich Mück von den teils niedrigen Strahlenwerten in bestimmten Bereichen – teilweise sogar geringer als in Oberfranken, wo natürliche Radonvorkommen eine Rolle spielen. Zwei Tage verbrachte er in der Sperrzone, geprägt von intensiven und bleibenden Eindrücken.
Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht für Besucher. Die Region sei kein Ort für unüberlegte Abenteuer. Vielmehr stehe für ihn die Erinnerung an die Menschen im Vordergrund, die damals unter schwierigsten Bedingungen Schlimmeres verhindert haben – oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens.
Auch vier Jahrzehnte nach der Katastrophe bleiben die Bilder aus der Region rund um Prypjat und Tschernobyl ein eindringliches Mahnmal. Sie erinnern daran, welche Risiken mit der Nutzung von Kernenergie verbunden sind – und daran, wie tiefgreifend ein einzelnes Ereignis die Welt verändern kann.