Wer auf dem Land auf Bus und Bahn statt auf das Auto setzen möchte, braucht häufig Zeit und Geduld – das zeigt auch die Situation im Landkreis Kulmbach. Laut aktuellem ÖV-Atlas der Agora Verkehrswende sind dort rund 75 Prozent der Bevölkerung beim öffentlichen Nahverkehr unterversorgt. Dafür erhält der Landkreis die Note 5,5. Zum Vergleich: Der Landkreis Lichtenfels bekam mit einer Unterversorgung von 40 Prozent der Bevölkerung die Note 4,2.
Rufbusse helfen – aber nicht immer
Der Verkehrsverbund Nürnberg verweist darauf, dass bundesweite Vergleiche Besonderheiten wie unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten und die Größe der Regionen nur bedingt abbilden. Gerade auf dem Land könnten Rufbusse, Anruf-Sammeltaxis und On-Demand-Angebote Lücken schließen, würden in solchen Studien aber teilweise nicht berücksichtigt. Im Landkreis Kulmbach muss ein Rufbus allerdings mindestens eine Stunde vor der Fahrt bestellt werden – für spontane Wege ist das Angebot damit nur eingeschränkt geeignet.
Städte schneiden deutlich besser ab
Auch der Blick auf ganz Oberfranken zeigt ein deutliches Gefälle: Bei den Landkreisen reichen die Noten von 4,7 in Kronach bis 5,5 in Bayreuth und Bamberg. Wunsiedel kommt auf 5,1, Hof auf 5,4 und Coburg auf 5,0, während die kreisfreien Städte deutlich besser abschneiden. Bamberg erreicht mit 2,7 den besten Wert, gefolgt von Bayreuth mit 2,9, Coburg mit 3,0 und Hof mit 3,4 – ein Hinweis darauf, dass der öffentliche Nahverkehr in dichter besiedelten Regionen meist besser ausgebaut ist.
Neuer Nahverkehrsplan soll Verbesserungen bringen
Das Landratsamt Kulmbach wollte sich aktuell nicht zur Studie äußern, plant aber gemeinsam mit dem Verkehrsverbund ab Oktober einen neuen Nahverkehrsplan für die kommenden Jahre. Dieser könnte eine Gelegenheit sein, das Angebot in den ländlichen Regionen auszubauen und für mehr Menschen attraktiver zu machen.