Jugendliche, die über Jugendliche urteilen: Mit diesem Ansatz ist am Freitag, 9. Oktober, der Teen Court in Hof eröffnet worden. Das Schülergericht ist das 16. seiner Art in Bayern. Zwölf Schülerinnen und Schüler erhielten bei der Eröffnungsfeier im Landgericht Hof ihre Ernennungsurkunden von Bayerns Justizminister Josef Schmid. Das Projekt soll dazu beitragen, junge Menschen nach Straftaten zum Umdenken zu bewegen und weitere Gesetzesverstöße zu verhindern. Quelle: Bayerische Justiz
Das Besondere am Teen Court: Diejenigen, die sich mit den Taten auseinandersetzen, sind selbst noch Jugendliche oder junge Erwachsene. Die Schülerrichterinnen und Schülerrichter sind zwischen 14 und 20 Jahre alt und damit in einer ähnlichen Lebensphase wie die Beschuldigten. Sie beschäftigen sich mit Fällen, die tatsächlich passiert sind – etwa Diebstählen, Sachbeschädigungen oder dem Fahren ohne Fahrerlaubnis.
Auf Augenhöhe über die Tat sprechen
Anders als bei einem klassischen Gerichtsverfahren stehen beim Teen Court nicht ein Richter und ein Urteil im Mittelpunkt. Stattdessen kommen die Jugendlichen an einem runden Tisch zusammen. Ein dreiköpfiges Schülergremium spricht mit dem Beschuldigten über die Tat, ihre Hintergründe und ihre Folgen. Sozialpädagogische Fachkräfte begleiten das Verfahren.
Ziel ist es, die Jugendlichen dazu zu bringen, sich mit ihrem Verhalten auseinanderzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Gemeinsam kann eine erzieherische Maßnahme vereinbart werden. Dazu gehören beispielsweise gemeinnützige Arbeit, eine Entschuldigung oder die Wiedergutmachung eines entstandenen Schadens.
Die Teilnahme am Verfahren ist freiwillig. Schwere Straftaten sind vom Teen-Court-Modell ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft berücksichtigt das Ergebnis bei ihrer abschließenden Entscheidung über das Verfahren.
Verantwortung übernehmen statt nur bestraft werden
Hinter dem Konzept steht die Überzeugung, dass Gleichaltrige häufig einen besonderen Zugang zueinander finden. Die Meinung anderer Jugendlicher kann einen stärkeren Eindruck hinterlassen als die Belehrung durch Erwachsene. Der Teen Court setzt deshalb auf einen Dialog, der die Beschuldigten nicht allein mit den Folgen ihrer Tat konfrontiert, sondern ihnen auch einen Weg aufzeigt, Verantwortung zu übernehmen.
Gleichzeitig profitieren die Schülerrichter selbst von ihrer Aufgabe. Sie lernen die Grundlagen des Jugendstrafrechts kennen, setzen sich mit unterschiedlichen Lebenssituationen auseinander und erfahren, was es bedeutet, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Auf ihre Tätigkeit werden sie durch spezielle Schulungen vorbereitet.
Ein bewährtes Modell kommt nach Hof
In Bayern gibt es Schülergerichte bereits seit dem Jahr 2000. Damals wurde in Aschaffenburg der erste Teen Court eingerichtet. In den folgenden Jahren kamen weitere Standorte hinzu, zuletzt Bayreuth im Januar 2026. Mit der Eröffnung in Hof wird das bestehende Netzwerk nun erweitert.
Justizminister Josef Schmid überreichte den zwölf neuen Schülerrichterinnen und Schülerrichtern persönlich ihre Ernennungsurkunden. Die Eröffnung fand im Rahmen seiner Justiz-Tour unter dem Motto „Mit Recht vor Ort – unterwegs für den Rechtsstaat“ statt.
Mit dem neuen Standort erhält Hof ein Instrument, das Jugendkriminalität nicht allein als Frage der Bestrafung betrachtet. Der Teen Court soll jungen Menschen die Konsequenzen ihres Handelns verdeutlichen – und ihnen die Möglichkeit geben, aus ihren Fehlern zu lernen.