Bad Staffelstein: Prominente Kritik am Hallenbau

Der Landesdenkmalrat spricht sich gegen einen Hallenbau der Logistik-Firma CS Trans im Bad Staffelsteiner Ortsteil Grundfeld im Landkreis Lichtenfels aus. Diese Information wurde aus dem Büro der Bamberger Grünen-Landtagsabgeordneten Ursula Sowa mitgeteilt.

Bürger entscheiden sich mehrheitlich für den Hallenbau

Eigentlich schien alles entschieden: nach einem Bürgerentscheid im November 2019 war der Weg für den Bau einer Logistikhalle im Bad Staffelsteiner Ortsteil Grundfeld frei. Doch nun schaltet sich der Landesdenkmalrat ein. Aufgeflammt war die Diskussion im Sommer 2019. Nachdem der Stadtrat für die Neubaupläne der Logistik-Firma CS Trans votiert hatte, machten einige Anwohner und der Bund Naturschutz unter Führung des Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt mobil. Sie sammelten Unterschriften, die in einen Bürgerentscheid im November mündeten. Dort entschieden die Bürgerinnen und Bürger aber mehrheitlich, dass der Unternehmer Christian Schad seine Pläne in Grundfeld verwirklichen darf.

Landschaftspflege, Umweltschutz, Wirtschaftsentwicklung stehen in unvereinbaren Clinch

Wie nun bekannt wurde, spricht sich der Landesdenkmalrat gegen den Hallenbau aus. Grünen-Landtagsabgeordneten Ursula Sowa hatte bereits im März angekündigt, das Gremium anzurufen. Eine offizielle Stellungnahme des Landesdenkmalrats steht zwar noch aus, dessen Vorsitzender, der ehemalige Staatsminister Thomas Goppel von der CSU, teilt aber auf Anfrage von TVO mit:

Die Staffelsteiner Pläne mögen aus der Sicht der örtlichen Entwicklungsplanung die Wirtschaft gut bedienen, auch die Entwicklung der einen Stadt im Umgriff. Für sich genommen habe ich für das Vorhaben zur Stärkung der Wirtschaftskraft viel Verständnis. Aus der Sicht der Landschaftspflege, der Raumplanung und der Denkmalsicherung wäre die Realisierung des Konzeptes an der vorgesehenen Stelle des Talraumes zwischen Vierzehnheiligen und Kloster Banz die Zerstörung eines Idylls, die nicht wieder gut zu machen wäre. Hier liegen Landschaftspflege, Umweltschutz, Wirtschaftsentwicklung und der Eingriff in das in Jahrhunderten gewachsene Landschaftsbild in unvereinbarem Clinch miteinander. Wer an der von der Stadt geplanten Stelle „operiert“, schafft eine offene Landschaftswunde.

Erhebliche Verletzung des Gottesgarten

Die Beeinträchtigung der Sichtbeziehungen hatten auch die Hallengegnerinnen und –gegner als Argument ins Feld geführt. Darüber hinaus den Verlust von landwirtschaftlichen Flächen. Mit der Entscheidung des Landesdenkmalrats sieht sich die Grünen-Abgeordnete Ursula Sowa bestätigt:

Ich habe mich vor Ort persönlich von dem Ausmaß der Logistikhalle in Grundfeld kundig gemacht und als Stadtplanerin und Architektin kann ich nur sagen , dass diese Halle an diesem Ort den Gottesgarten  ganz erheblich verletzen würde. Ich bin froh, dass der Landesdenkmalrat, dessen stellvertretendes Mitglied ich bin, meinen „Alarmschrei“ gehört hat und das Projekt auf die Tagesordnung genommen hat“

Regionaler Planungsverband Oberfranken-West befasst sich ebenfalls mit dem Hallenbau-Thema

Bindend ist die Stellungnahme nicht. Es könnte aber sein, dass sich nun der Regionale Planungsverband Oberfranken-West mit dem Thema befasst. Hier sind neben dem Landkreis Lichtenfels aus die Kreise Bamberg, Coburg, Forchheim und Kronach Mitglieder sowie die kreisfreien Städte Bamberg und Coburg. Dessen Aufgaben beschreibt der Verband auf seiner Seite wie folgt:

„Beim raumplanerischen Handeln im Regionalen Planungsverband kommt es darauf an, widerstreitende Interessen zur Nutzung des Raumes optimal zu koordinieren, um den Interessen der Träger des Planungsverbandes auch im überörtlichen Rahmen bestmöglich gerecht zu werden.“

Mietvertrag im aktuellen Gebäude des Firma CS Trans endet Ende des Jahres 2020

Für die Firma CS Trans ist die Entwicklung natürlich ungünstig. Durch die Coronakrise war der Entscheidungsprozess im Bad Staffelsteiner Stadtrat ohnehin ins Stocken geraten. Als die Baupläne Anfang Juni auf die Tagesordnung kamen, wurde die Entscheidung nach intensiver Diskussion vertagt und eine Gesprächsrunde mit verschiedenen Beteiligten angeregt. Dabei drängt die Zeit eigentlich: Zurzeit ist die Firma CS Trans nämlich Mieter in einer alten Gewerbehalle am südwestlichen Rand von Grundfeld. Da diese Halle marode ist und sich das Logistikunternehmen und die Vermieterin zerstritten haben, strebt CS Trans den Neubau in der Bürgermeister-Meißner-Straße an. Der Mietvertrag im aktuellen Gebäude endet Ende des Jahres 2020.

Firmeninhaber Christian Schad enttäuscht vom Landesdenkmalrat und der Politik

Firmeninhaber Christian Schad deutete aber in der Vergangenheit an, dass durch kurzfristige Anmietungen anderer Objekte die Übergangszeit überbrückt werden könnte. In einer ersten Stellungnahme gegenüber TVO zeigte sich Christian Schad enttäuscht vom Landesdenkmalrat und der Politik allgemein – ihm fehlten die Worte:

„ Wenn Sie auf die andere Seite der Autobahn schauen, steht Concept Laser und jetzt auch noch der Neubau von Lifocolor und da hört man von keinem Naturschützer etwas. (…) Wir haben einen Bürgerentscheid den die Gegner ins Leben gerufen haben und jetzt mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind.“



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