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Bayerischer Fußball-Verband wettert gegen Staatsregierung: „Allmählich wird es absurd“

Die Fronten zwischen dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) und der Staatsregierung in München verhärten sich in der Corona-Zeit immer mehr. Für einen neuerlichen Zoff sorgt das „Rahmenkonzept Sport“ des Bayerischen Innenministeriums, welches in der Nacht zum Freitag (11. Juni) veröffentlicht wurde. Auf dieses Konzept reagierte der BFV sogleich mit Unverständnis und deutlicher Kritik.

Zuschauerzahl bei Fußballspielen auf maximal 500 Personen beschränkt

Laut dem verabschiedeten „Rahmenkonzept Sport“ bleibt unter anderem die Zuschauerzahl bei Veranstaltungen im Freien und damit auch bei Fußballspielen einschließlich geimpfter sowie genesener Personen auf maximal 500 beschränkt. Die Regelung gilt auch beziehungsweise trotz ausschließlich fest zugewiesenen Sitzplätzen inklusive einer Kontaktdatenerfassung und der Datenspeicherung für vier Wochen. Stehplätze bleiben demnach weiterhin komplett außen vor. Der BFV bemängelt unter anderem, dass im Gegensatz zu den Freiluft-Veranstaltungen die Zuschauerobergrenze in Gebäuden bei Einhaltung des Mindestabstands bei 1.000 Personen liegt, eine platzgenaue Kontaktdatenerfassung nicht notwendig ist.

„Ich kann jeden Vereinsverantwortlichen verstehen, der angesichts dieser Realitätsferne der Entscheider nur noch den Kopf schüttelt“

 

Allmählich wird es absurd. Es kann niemandem mehr ernsthaft vermittelt werden, warum bei einem Fußballspiel im Freien keine Besucher einzeln um weiträumige Plätze stehen dürfen, dagegen aber bei wissenschaftlich belegtem ungleich höheren Infektionsrisiko in Gebäuden bis zu 1.000 Zuschauer zugelassen werden. … Dass die Interessen von Millionen Amateursportlern, fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen, unseren über 4.500 Fußballvereinen in Bayern mit ihren zehntausenden Ehrenamtlichen und Millionen Fußballinteressierten aus deren Umfeld weiterhin völlig sinnfrei ignoriert werden, ist nicht mehr hinnehmbar.

(Rainer Koch, BFV-Präsident)

 

Koch kann, so sagt er, „jeden Vereinsverantwortlichen verstehen, der angesichts dieser Realitätsferne der Entscheider nur noch den Kopf schüttelt“. Der BFV-Präsident wies mit dem Blick auf die letzten Corona-Monate darauf hin, dass der Verband und die Vereine der Politik immer wieder aufs Neue die Hand reichten und ihre Unterstützung sowie Expertisen anboten. Ebenso die gemeinsame Ausarbeitung und Umsetzung von Lösungen. „Wenn dann dieses Angebot schon nicht angenommen wird, muss zumindest mehr als ein vollkommen widersprüchliches Konzept, wie es jetzt auf dem Tisch liegt, herauskommen“, so Koch weiter.

„Vereine werden mit dem Konzept weiter ausgebremst“

Der BFV beruft sich auf Erklärungen von Medizinern, Forschern und Virologen, die in ihren Studien zeigten, dass Sport unter freiem Himmel nicht im Ansatz ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellt. Bereits Mitte Mai hatte der BFV in einem Offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder eine praxisnahe Lösung in der Zuschauerfrage bei Fußballspielen unter freiem Himmel eingefordert. Der BFV vertritt die klare Auffassung, dass es eine Bagatellgrenze an Publikum braucht, bei der dies auch ohne besonderes Hygiene-Konzept möglich sein muss. Laut dem Verband hat es noch keine Antwort auf den Brief gegeben. Nach den Worten von BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher ist es von Seiten der Staatsregierung schlicht fahrlässig, die Vereine mit solch einem Konzept weiter auszubremsen und am Ende auch die vielfältige Vereinslandschaft zu riskieren. Faltenbacher bezog sich damit nicht nur allein auf den Fußball.

 

Das neue Rahmenkonzept Sport ist ein Schlag ins Gesicht für alle Fußballvereine in Bayern … Man kann nicht permanent Solidarität einfordern und gleichzeitig den Vereinen jeden Handlungsspielraum verwehren, um aus dieser auch wirtschaftlich schweren Lage herauszukommen. Jeder, der einen Bezug zum Amateursport hat, weiß: In jeder Fußgängerzone ist mehr los als etwa bei einem regulären Fußballspiel in der Kreisklasse. Dennoch sind genau diese einzelnen Besucher für viele Vereine überlebenswichtig.

(Jürgen Faltenbacher, BFV-Schatzmeister)



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