© TVO / Archiv

12 Millionen Euro Förderung: Grenzmuseum Mödlareuth wird ausgebaut

Der Bund sowie die Bundesländer Bayern und Thüringen fördern die Erweiterung des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth (Landkreis Hof / Saale-Orla-Kreis) mit insgesamt 12 Millionen Euro. Damit tragen sie die Hauptlast der Kosten. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo, Kulturstaatsministerin Monika Grütter und Thüringens Staatskanzleiminister Benjamin-Immanue Hoff unterzeichnen jetzt hierzu die Vereinbarung.

Gegen die Verharmlosung der SED-Diktatur

Das Museum soll künftig die Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung am Beispiel von „Little Berlin“ auf dem Stand der Forschung und digital-gestützt erzählen und so einen Beitrag gegen das Vergessen und das Verharmlosen der SED-Diktatur leisten. Dies vereinbarten die drei Parteien mit ihrer Unterschrift.

Gesamtkosten in Höhe von 15 Millionen Euro

Die Bundesrepublik und die beiden Freistaaten machen damit vor Ort den Weg für einen modernen Erweiterungsbau frei. Die Gesamtkosten des Museumsprojekts werden auf knapp 15 Millionen Euro geschätzt.

 

Seit dem Fall der Mauer sind über 30 Jahre vergangen. Gerade jüngere Menschen können sich nicht vorstellen, dass die SED mitten durch Deutschland und sogar mitten durch einzelne Dörfer auf 1.400 Kilometer Länge eine nahezu unüberwindbare Grenze mit Minen und Selbstschusslagen errichten ließ, um das eigene System zu stabilisieren. Viele Menschen haben hier auf dem Weg in die Freiheit ihr Leben verloren. Mödlareuth bietet mit den authentischen Sperranlagen die einmalige Chance, die Teilung Deutschlands mit den gravierenden sozialen Folgen für Familien und Freunde lebendig zu machen.

(Michael Piazolo, Bayerischer Kultusminister)

 

Neukonzeption umfasst folgende Projekte

Konkret unterstützt der Bund und der Freistaat Bayern die Maßnahme mit jeweils rund 5,60 Millionen Euro sowie der Freistaat Thüringen mit 800.000 Euro. Die Erweiterung und Neukonzeption des Grenzlandmuseums umfasst:

 

  • die Errichtung eines modernen Erweiterungsbaus für das Museum mit neuer Dauerausstellung
  • eine bessere Zugänglichkeit des Freigeländes mit der Nachzeichnung des Mauerverlaufs – auch für Menschen mit Behinderung
  • moderne Themenstationen sowie interaktive Medien zur Vermittlung der Geschichte der Teilung und den Folgen für die Menschen an der innerdeutschen Grenze
  • den Rückbau nicht authentischer nachträglicher Installationen

 

Die Erweiterung unseres Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth setzt viele Schritte voraus. Auch deshalb, weil wir ein Projekt haben, das gemeinsam vom Bund und den Freistaaten Bayern und Thüringen unterstützt wird. Darüber hinaus natürlich, weil wir als Träger insbesondere die gesamte Region im Blick haben. (…) Dies zeigt einmal mehr den besonderen Stellenwert des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth ist ein Ort nationaler Bedeutung und die Erweiterung des Museums ist ein Gemeinschaftsakt von Bund, Ländern und den hiesigen Kommunen.

(Landrat Oliver Bär, Vorsitzende des Zweckverbandes Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth)

 

Die Pläne für den Erweiterungsbau und die Außengestaltung hat das Atelier 30 Architekten BDA, Kassel, in Kombination mit den Landschaftsarchitekten GrünPlan BDLA, Hannover, entworfen. Die inhaltliche Gestaltung wird von einem wissenschaftlichen Arbeitskreis mit dem Gestaltungsbüro frankonzept unter Moderation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit ausgearbeitet.

Hintergrund: „Eiserner Vorhang“ teilte das Dorf am Tannbach

Das Dorf Mödlareuth, in dem heute rund 50 Menschen leben, liegt in Bayern und Thüringen – im Drei-Länder-Eck Bayern / Thüringen / Sachsen zwischen den Städten Hof, Schleiz und Plauen. Während der Teilung Deutschlands verlief der „Eiserne Vorhang“ mitten durch den Ort. Ähnlich wie in Berlin trennte eine Betonmauer die Menschen im Osten von den Menschen im Westen und damit die Familien beiderseits des Tannbachs.

Die von der DDR errichteten Sperranlagen am Tannbach umfassten unter anderem eine 700 Meter lange Betonmauer, einen zusätzlichen Sperrzaun und einen Beobachtungsturm. 90 Meter Mauer, über 600 Meter Sperrzaun sowie der Beobachtungsturm sind auf dem Freigelände noch authentisch erhalten und werden künftig das Herzstück des Erinnerungsorts und Museums bilden. In der Dauerausstellung im Erweiterungsbau werden Hintergrundinformationen gegeben und historisch seltene Exponate ausgestellt werden.

Das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth wurde in den frühen 1990er Jahren auf ehrenamtliche Initiative hin aufgebaut. Es zeigt die Geschichte der deutschen Teilung und erläutert die politischen, militärischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Aspekte der Teilung vornehmlich anhand regionaler und lokaler Bezugspunkte. Das Museum befindet sich in der Trägerschaft des Zweckverbands Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, in dem die Landkreise Hof, Saale-Orla und Vogtlandkreis sowie die Gemeinde Töpen und die Stadt Gefell zusammenarbeiten.



Anzeige