Es war einer der großen Aufreger in der laufenden Saison in der Eishockey-Oberliga Süd: Sieben Minuten waren im Duell zwischen den Selber Wölfen und dem Deggendorfer SC gespielt, als der Selber Leistungsträger Erik Nemec ein klares und reguläres Tor erzielte. Für die Oberfranken wäre es der Führungstreffer in diesem wegweisenden Spitzenspiel gewesen – doch das Schiedsrichtergespann erkannte den Treffer trotz Videobeweis nicht an, Selb verlor am Ende des Tages mit 1:5. Am Donnerstag (26. Februar), knapp einen Monat nach der Partie, hat der Club scharfe Kritik am Deutschen Eishockey-Bund und seinem Umgang mit der Causa geübt.
Skandalspiel zwischen Selb und Deggendorf zieht weite Kreise
„Kein Tor! Sie geben’s nicht – Warum geben sie es nicht?“ – Die Worte, mit denen der Kommentator des Streaminganbieters Sprade TV seinem Unglauben über die Entscheidung Ausdruck verlieh, dürfte vielen Selber Fans, die das Geschehen beim Auswärtsspiel in Deggendorf zu Hause vor dem Bildschirm verfolgten, aus der Seele gesprochen haben. Das Trainerteam der Wölfe im Deggendorfer Eisstadion – damals noch mit dem mittlerweile geschassten Felix Schütz an der Spitze – protestierte heftig, doch die Unparteiischen blieben bei ihrer Entscheidung.
Protest gegen Spielwertung wurde abgelehnt
Noch am selben Abend betitelte der Verein die Szenen, die sich vor den Augen der über 2.000 Zuschauern im Deggendorfer Eisstadion abgespielt hatten, in einer Pressemitteilung als „skandalös“ – und legte Protest gegen die Spielwertung ein. In den Folgetagen veröffentlichte der Deutsche Eishockey-Bund eine Stellungnahme, in der man erklärte, dass im Videobeweis den Schiedsrichtern der Schuss von Nemec aus technischen Gründen nicht gezeigt werden konnte, weshalb man bei der „On-Ice“-Entscheidung geblieben war. Der Protest der Wölfe wurde abgelehnt.
Spielgerichts-Vorsitzender riet zur Rückziehung von Einspruch
Auch hiergegen legten die Oberfranken Widerspruch ein, was nach Schilderung der Wölfe den Vorsitzenden des Spielgerichts, Hans-Jürgen Rutsatz, auf den Plan rief, der zu einer Rückziehung des Antrags riet:
Der Vorsitzende erklärte, dass vor Beginn der Playoffs ohnehin nicht mit einer Entscheidung zu rechnen sei. Zudem sei eine Veränderung der Tabellenkonstellation zugunsten der Selber Wölfe sehr unwahrscheinlich und es bestehe ein Kostenrisiko.
(Stellungnahme der Selber Wölfe)
Verantwortliche erfuhren aus der Presse von Verfahrenseinstellung
„Aufgrund dieser Argumentation entschieden sich die Verantwortlichen, den Antrag zurückzuziehen. Bestärkt wurden die Porzellanstädter noch durch die Zusage, dass eine öffentliche Stellungnahme zu den Geschehnissen erfolgen sollte“, schildern die Wölfe in ihrem aktuellen Statement. Nach der Rücknahme des Antrags habe man aber zunächst keinerlei Rückmeldung mehr bekommen und erst am späten Abend des 23. Februar aus der Presse entnommen, dass das Verfahren eingestellt worden sei.
Wölfe sprechen über „Mantel des Schweigens“
Erst auf schriftliche Nachfrage habe der Ligenleiter des DEB, nicht das Sportgericht, kommentarlos einen auf den 24. Februar datierten offiziellen Beschluss des Sportgerichts übermittelt. „Die Selber Wölfe zeigen sich in höchstem Maße enttäuscht vom Verhalten des DEB. Bei den Porzellanstädtern hat sich der Eindruck verfestigt, dass der Verband in diesem Fall den Mantel des Schweigens über vorhandene Missstände legen möchte“, heißt es weiter.
Begründung des DEB wird in Frage gestellt
„Wenn der DEB nicht für Transparenz sorgt, obwohl dies mit dem Vorsitzenden des Sportgerichtsverfahrens vereinbart wurde“, so erklären die Verantwortlichen, „sehen sich die Selber Wölfe verpflichtet, dies aus ihrer Sicht darzustellen“. Die Begründung der Ablehnung des Protests durch den DEB sei demnach in Frage zu stellen.
Dass die strittige Szene den Schiedsrichtern im Videobeweis aus technischen Gründen nicht gezeigt werden konnte, wurde nach dem Spiel von keiner der beteiligten Parteien so zu Protokoll gegeben. Vielmehr sah sich der Deggendorfer SC, nachdem er Kenntnis vom Widerspruch der Selber Wölfe erlangte, veranlasst, eine öffentliche Stellungnahme mit folgendem Wortlaut abzugeben: „Der Deggendorfer SC wird innerhalb der vom Spielgericht gesetzten Frist eine Stellungnahme abgeben. Darin wird der Club darlegen, dass aus seiner Sicht weder durch den Deggendorfer SC noch durch dessen Mitarbeiter ein Fehlverhalten vorgelegen hat und dass am Spieltag keine technischen Schwierigkeiten bestanden haben“
(Stellungnahme der Selber Wölfe)
Wölfe verweisen auf fehlende Punkte
Weiterhin sei die Begründung des DEB zwar sehr detailliert und größtenteils mit Zeitangaben aufgeführt, wie sich die Dinge rund um den vermeintlichen Treffer zugetragen haben, allerdings habe man darin wichtige Informationen, die zu einer lückenlosen Aufklärung der Vorkommnisse beitragen, nicht erwähnt. Konkret verweisen die Wölfe hierbei auf mehrere fehlende Punkte:
Kritik an fehlender Transparenz
Darüber hinaus geben die Wölfe, die am Wochenende in Höchstadt ihr finales Spiel der Oberliga-Hauptrunde absolvieren, in ihrem Statement an, ihren Widerspruch am 16. Februar unter der Prämisse zurückgezogen zu haben, dass das Gericht transparent zu den Vorfällen in der Öffentlichkeit Stellung bezieht. Dies sei bis heute nicht geschehen – auf Nachfrage vom 24. Februar habe man von Ligenleiter Jonas Schwarzfischer die Aussage erhalten, dass hierzu nichts Weiteres mehr veröffentlicht werde.
DEB soll Vorfall aufarbeiten
„Die Selber Wölfe fordern den DEB auf, den Vorfall öffentlich und maximal transparent aufzuarbeiten“, erklären die Verantwortlichen abschließend. Der Verband müsse darüber hinaus seiner organisatorischen Verantwortung nachkommen und sicherstellen, dass: