Do., 27.11.2025 , 16:32 Uhr

Stadt Bayreuth

Problemzone ZOH Bayreuth: Polizei spricht von "Abweichung zwischen objektiver Lage und subjektivem Gefühl"

Debatte in der Wagnerstadt

Die Bayreuther Polizei hat sich in einer Pressemitteilung vom Donnerstag (27. November) zur Sicherheitslage im Bereich der Zentralen Omnibushaltestelle (ZOH) der Stadt geäußert. Darin spricht sie einerseits von einer "unauffälligen objektiven Lage", betont aber andererseits, das Sicherheitsempfinden der Menschen ernst nehmen zu wollen.

Polizei äußert sich zur Problemzone ZOH Bayreuth

"Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Bayreuth zu erhalten, ist unsere vordringlichste Aufgabe als Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt. Um innerhalb des Stadtgebiets die richtigen Schwerpunkte zu setzen, befassen wir uns ständig und intensiv mit den Kriminalitätsentwicklungen, neuen Phänomenen und sich verändernden Örtlichkeiten", schreibt die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt in ihrer Mitteilung. "Dabei entwickeln sich die objektive Sicherheitslage und das Sicherheitsempfinden der Menschen nicht immer im Gleichklang. Dieses Bild zeigt sich für uns auch an der Zentralen Omnibushaltestelle".

Verunsicherung soll zum Positiven gewendet werden

Auch wenn die Anzahl der dort begangenen Straftaten in Summe ähnlich bleibe, habe man festgestellt, dass sich dort immer mehr Menschen unwohl fühlen würden. Diese Besorgnis nehme man "sehr ernst" und habe dies auch in der Vergangenheit schon getan. Im Zusammenspiel mit vielen Beteiligten, darunter die Stadt Bayreuth als Sicherheitsbehörde, die Stadtwerke Bayreuth, sowie die Gewerbetreibenden und Anlieger/innen, wolle man diese Verunsicherung zum Positiven wenden.

ZOH als beliebter Treffpunkt in Bayreuth

Die ZOH Bayreuth sei seit vielen Jahren "ein belebter Ort in zentraler Lage". Neben den potenziell etwa sechs Millionen Fahrgästen, die dort jährlich bewegt werden, diene der Platz auch als Treffpunkt und Aufenthaltsort, etwa für Jugendliche oder soziale Randgruppen, darunter "Alkoholkonsument/innen und Obdachlose". Das Aufeinandertreffen der verschiedenen Milieus verlaufe nach Beobachtung der Polizei oft problemlos, führe aber auch zu Verunsicherung, deviantem Verhalten, Ordnungsstörungen und Straftaten.

"Für einige Menschen fühlt sich das aktuell anders an"

Zwar habe in früheren Jahren eine städtische Videoüberwachung an der ZOH bestanden, diese habe man jedoch aus Datenschutzgründen zurückbauen müssen. "Seither arbeiten viele Beteiligte zusammen, die objektive Kriminalitätslage am ZOH auf einem stabilen Niveau zu halten. Für einige Menschen fühlt sich das aktuell anders an", heißt es weiter. Die Stichwörter, welche die Polizei in diesem Kontext hervorhebt, sind "subjektive Sicherheit und objektive Sicherheitslage".

Polizei spricht von "Abweichung zwischen objektiver Lage und subjektivem Gefühl"

"Die subjektive Sicherheit beschreibt das persönliche Sicherheitsempfinden von Menschen in einem bestimmten Raum. Diese Emotion ist schwer messbar und wird von vielen Variablen beeinflusst, zum Beispiel Sozialisation, Milieu, Erfahrungen, Einstellungen, Mediennutzung, Ereignisqualität. Daher kann es zu einer Abweichung zwischen objektiver Lage und subjektivem Gefühl kommen", betonen die Verantwortlichen.

Stabile Lage in den vergangenen Jahren

Die objektive Sicherheitslage werde anhand von überprüfbaren Daten, darunter die Polizeiliche Kriminalstatistik, ausgewiesen: "Diese Daten basieren auf dem Hellfeld – auf Fällen also, die der Polizei bekannt werden. Es ereignen sich jedoch auch Taten im Dunkelfeld, die die Sicherheitslage zwar beeinträchtigen, aber nicht in Statistiken enthalten sind". Über die letzten fünf Jahre betrachtet, habe man an der ZOH eine vergleichbare objektive Sicherheitslage auf niedrigem Niveau verzeichnet.

Polizei geht von "eher niedrigem Dunkelfeld" aus

Auch wenn vom Jahr 2023 zum Jahr 2024 die Körperverletzungs- und Eigentumsdelikte gestiegen seien, würden diese Deliktsfelder jedoch in Summe im niedrigen, zweistelligen Bereich bleiben - während dem gegenüber eine verhältnismäßig kleine, hoch frequentierte Fläche stehe. "Im gleichen Zeitraum fielen die Fallzahlen der Rauschgiftdelikte sowie der Verstöße gegen strafrechtliche Nebengesetze. Die Summe der Fallzahlen bleibt somit nahezu ähnlich und stabil. Aufgrund des hohen Personenaufkommens und der damit einhergehenden Sozialkontrolle gehen wir von einem eher niedrigen Dunkelfeld aus, weshalb die bekannten Zahlen realitätsnah sind", heißt es weiter.

Sicherheitslage soll weiter verbessert werden

Trotz dieser "unauffälligen objektiven Lage" wolle man weiter intensiv daran arbeiten, die Sicherheitslage zu verbessern. "Menschen, die häufig die ZOH frequentieren, nehmen witterungsabhängig Jugendgruppen wahr, deren Verhalten (Lärmen, Spucken, Müll hinterlassen, jugendtypisches Kräftemessen), Sprache oder Erscheinungsbild Verunsicherung hervorrufen können", schreibt die Polizei. Parallel würden soziale Randgruppen die ZOH als Treffpunkt nutzen, um Alkohol zu konsumieren, was ebenfalls zu "normabweichendem Verhalten" führe. Als weiteren Faktor zieht die Polizei Gesellschaftsdebatten wie die "Stadtbild"-Diskussion heran, welche zusätzlich zur Sensibilisierung für das Thema beitragen würden. Auch in Hof hatte die "Stadtbild"-Debatte zuletzt für Diskussionen gesorgt.

Messerangriff sorgte für Aufsehen

"Vorfälle wie die jüngste Verletzung eines jungen Mannes durch eine Bekannte mit einem Teppichmesser erhöhen nachvollziehbar die Aufmerksamkeit und beeinflussen das Sicherheitsempfinden. Die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt beobachtet fortlaufend die Situation in der Innenstadt – besonders an der ZOH. Gemeinsam mit Beteiligten beugen wir negativen Entwicklungen vor und reagieren angemessen in kritischen Situationen", heißt es weiter.

Intensivierte Sicherheitsmaßnahmen in Bayreuth

Das aktuell beeinträchtigte Sicherheitsgefühl habe bereits zu einer Intensivierung der Maßnahmen geführt – insbesondere in Form von sichtbarer Präsenz und verstärkter Kontrolltätigkeit über mehrere Stunden täglich. Beteiligt seien die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, die Sicherheitswacht sowie die Zentralen Einsatzdienste Bayreuth. Man sei auf Fußstreife präsent, suche Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, schreite bei Störungen konsequent ein, führe Personenkontrollen durch, spreche Platzverweise aus und bringe Vorkommnisse zur Anzeige.

Spielt bald klassische Musik am ZOH?

"Auch bauliche Maßnahmen wie die Verbesserung der Beleuchtungssituation werden geprüft, ebenso kreative Ansätze zur Attraktivitätssteigerung, z. B. im Rahmen des Projekts Wagner-Jubiläum 2026. Denkbar wäre das Abspielen klassischer Musik – hierfür gibt es positive Erfahrungswerte aus anderen Städten", führt die Polizei aus. Weitere Prüfungen würden Videoüberwachung, Aufenthaltsorte für Jugendliche und den Ausbau der mobilen Jugendarbeit betreffen, ergänzt durch Präventionsunterrichte und schulische Sprechstunden.

Appell an Bewohner

Im Kampf für ein besseres Sicherheitsgefühl appelliert die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt auch direkt an die Bevölkerung: "Jede/r Einzelne kann dazu einen Beitrag leisten! Einige tragen eine besondere Verantwortung dafür. Die Gründe subjektiver Unsicherheit sind vielfältig. Wichtig ist, diese Ursachen zu erkennen und den Sicherheitsbehörden mitzuteilen. Hierfür gibt es das städtische Hinweistelefon". Kritische Ereignisse sollten hingegen sofort unter dem Polizeinotruf 110 gemeldet werden.

Polizei richtet wöchentlichen Nachrichtenservice ein

Um die "transparente Öffentlichkeitsarbeit" fortzuführen, wird die Polizei zukünftig über den Presseverteiler wöchentlich eine Zusammenstellung der vergangenen Ereignisse vom ZOH versenden.

TVO-Beitrag zur Sicherheitslage in Bayreuth

Risiko-Debatte in Bayreuth entbrannt: Wie sicher ist die ZOH in der Innenstadt?
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