Ein beispielloser Gewaltausbruch überschattet die Judo-Bundesliga: Der aus dem Hof stammende Olympia-Teilnehmer Timo Cavelius ist bei einem Bundesliga-Kampftag in Leipzig Opfer einer brutalen Attacke geworden. Sein Kontrahent schlug dem 29-Jährigen nach Kampfende ins Gesicht und fügte ihm schwere Verletzungen zu, die sportlich weitreichende Folgen haben.
Eskalation nach dem Kampf: Georgier schlägt zu
Der Vorfall ereignete sich am Samstag (5. September) beim Aufeinandertreffen zwischen dem JC Leipzig und Cavelius' Verein, dem TSV Abensberg. Nach seinem Sieg gegen den 24-jährigen georgischen Gastkämpfer Akaki Japaridze jubelte der Oberfranke Medienberichten zufolge provokant. Daraufhin brannten bei dem unterlegenen Leipziger die Sicherungen durch: Er griff Cavelius an und streckte ihn mit drei gezielten Faustschlägen nieder.
Doppelter Kieferbruch und bitteres WM-Aus
Die medizinische Diagnose fiel verheerend aus: Der deutsche Nationalkämpfer zog sich durch die Schläge einen doppelten Kieferbruch zu, der bereits operativ mit zwei Platten fixiert werden musste. Neben den massiven gesundheitlichen Folgen ist der Vorfall für den Hofer auch sportlich ein herber Rückschlag. Ersten Informationen zufolge muss Cavelius nach dem Angriff seine Hoffnungen auf eine Teilnahme an der anstehenden Weltmeisterschaft begraben.
Schock für die oberfränkische Heimat
Für den 1996 in Hof geborenen Judoka reißt damit eine Erfolgsserie jäh ab. Cavelius, der seine sportlichen Wurzeln in der Saalestadt hat und tief in Oberfranken verwurzelt ist, gilt als eines der großen Aushängeschilder des regionalen Sports. Noch im Sommer vertrat er Deutschland bei den Olympischen Spielen in Paris und wurde von seiner oberfränkischen Heimatstadt im Vorfeld des Turniers bei einem Familienbesuch besonders gewürdigt.
Der Deutsche Judo-Bund (DJB) reagierte geschockt auf die Szenen in Leipzig und verurteilte den Angriff öffentlich aufs Schärfste. Inzwischen beschäftigt die handgreifliche Auseinandersetzung auch die Polizei. Mit welchen straf- und verbandsrechtlichen Konsequenzen der georgische Angreifer rechnen muss, bleibt abzuwarten.
Statement des TSV Abensberg:
Der Vorfall hat unsere gesamte Judofamilie zutiefst erschüttert. Unsere Sportart steht für Disziplin, Selbstbeherrschung und gegenseitigen Respekt – sowohl auf als auch neben der Matte. Bei aller Leidenschaft und Emotionalität, die ein sportlicher Zweikampf mit sich bringt, darf eine solche Situation niemals entstehen. Aus unserer Sicht muss das Verhalten des georgischen Sportlers sowohl auf zivilrechtlicher Ebene als auch durch die zuständigen Verbände entsprechend aufgearbeitet und sanktioniert werden. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sind die entsprechenden Verfahren bereits eingeleitet.
Timo geht es den Umständen entsprechend gut. Nachdem das Leipziger Team unmittelbar für einen schnellen Transport ins Klinikum gesorgt hatte, wurde er noch am selben Abend operiert. Aufgrund der zweifachen Fraktur des Unterkiefers wird er voraussichtlich für sechs bis acht Wochen sportlich ausfallen. Im Anschluss soll er schrittweise wieder in das Training einsteigen können.
Besonders bedauerlich ist der Zeitpunkt der Verletzung, da Timo gerade erst von einer vorherigen Verletzung zurückgekehrt war. Mit seinen Einsätzen in der Bundesliga wollte er sich auf den Grand Slam in Budapest in der kommenden Woche vorbereiten. Durch den aktuellen Vorfall wird er nun voraussichtlich auch die anstehenden Weltmeisterschaften in Baku verpassen. Darüber hinaus entgeht ihm die Möglichkeit, wichtige Punkte im Hinblick auf die Olympischen Spiele zu sammeln. Als Verein sind wir über die Vorkommnisse selbstverständlich tief betroffen. Auch unser Team war nach dem Wettkampf sichtlich erschüttert, da eine solche Situation in dieser Form bislang niemand von uns erlebt hatte.
Gleichzeitig hat sich in dieser schwierigen Situation der Zusammenhalt innerhalb unserer Mannschaft deutlich gezeigt. Mehrere unserer Athleten sind unmittelbar eingeschritten, um die Situation zu beenden. Auch die Verantwortlichen des JC Leipzig haben vor Ort schnell und umsichtig reagiert und sich um die notwendigen Maßnahmen gekümmert.
An dieser Stelle möchten wir ausdrücklich betonen, dass der TSV Abensberg seit vielen Jahren ein gutes und respektvolles Verhältnis zum JC Leipzig pflegt. Der betreffende georgische Sportler war an diesem Wettkampftag als Gastkämpfer für den JC Leipzig im Einsatz. Der Einsatz ausländischer Gastkämpfer ist im Rahmen der Bundesliga-Regularien grundsätzlich möglich. Demnach dürfen vier der insgesamt 14 Begegnungen durch ausländische Gastkämpfer bestritten werden.