Do., 18.06.2026 , 15:11 Uhr

Stadt Bamberg

Missbrauchsvorwürfe gegen Internatsleiter: Erzbistum Bamberg macht historischen Fall öffentlich

Priester bereits im Jahr 2000 verstorben

Das Erzbistum Bamberg hat Erkenntnisse über einen historischen Fall von sexuellem Missbrauch im Jahr 1976 öffentlich gemacht. Ein damaliger Internatsdirektor wurde nach Missbrauchsvorwürfen nicht angezeigt, sondern ins Ausland versetzt – obwohl kirchliche Stellen nachweislich von den Vorwürfen wussten. Der beschuldigte Priester verstarb im Jahr 2000.

Systematische Vertuschung über Ländergrenzen hinweg

Aus Archivdokumenten geht hervor, dass sowohl die damalige Bamberger Bistumsleitung als auch das Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und das Apostolische Vikariat Windhoek von den Vorwürfen wussten. Der Priester, der von 1970 bis 1976 das Bamberger Internat leitete, wurde 1976 nach Namibia und 1986 nach Mailand versetzt. Staatliche Behörden wurden nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht eingeschaltet. Aus den Akten sind die Namen von fünf betroffenen Schülern des Bamberger Internats bekannt; weitere Taten im Ausland sind nicht aktenkundig. Die genauen Verantwortlichkeiten sind Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung, deren Ergebnisse im Frühjahr 2027 erwartet werden.

Erzbischof Gössl gesteht „institutionelles Versagen“ ein

Der seit 2024 amtierende Bamberger Erzbischof Herwig Gössl erklärte, man wolle die Vergangenheit offen aufarbeiten. Die bisherigen Erkenntnisse machten ein klares Fehlverhalten der damaligen Verantwortlichen deutlich. Der Schutz von Tätern habe Vorrang vor dem Schutz der Kinder gehabt. „Wir bedauern dieses institutionelle Versagen ausdrücklich und versichern, dass dieses Vorgehen heute völlig undenkbar ist“, so Gössl.

Bischofskonferenz verweist auf verschärfte Schutzmaßnahmen

Auch das Auslandssekretariat der DBK bedauerte, dass Auslandsgemeinden in der Vergangenheit als Zufluchtsorte für Missbrauchstäter genutzt wurden. Der Leiter des Sekretariats, Monsignore Peter Lang, betonte, dass heute strikte Sicherheitsvorkehrungen gelten. Seelsorger, die ins Ausland entsandt werden, müssen mittlerweile ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, Präventionsschulungen nachweisen und eine Unbedenklichkeitserklärung des zuständigen Bischofs vorweisen. Das Auslandssekretariat arbeitet derzeit seine eigenen Akten auf.

Direktor Erzbistum Internat Kinder Missbrauch Vorwürfe

Das könnte Dich auch interessieren

17.06.2026 Sinkende Geburtenrate: In Oberfranken werden die wenigsten Babys in Bayern geboren Die Zahl der Geburten in Bayern ist im Jahr 2025 erneut gesunken. Nach aktuellen Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik kamen im vergangenen Jahr insgesamt 110.564 Kinder lebend zur Welt. Damit ging die Zahl der Geburten gegenüber dem Vorjahr um gut drei Prozent zurück. 13.04.2026 Live-Stream-Missbrauch eines Kindes auf den Philippinen: 53-jähriger Franke angeklagt Nach intensiven Ermittlungen hat die Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg Anklage gegen einen 53-jährigen Mann aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt wegen zahlreicher Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben. Dem Angeschuldigten wird vorgeworfen, von 2019 bis 2022 über einen Messenger-Dienst den sexuellen Missbrauch eines Mädchens auf den Philippinen angeleitet zu haben. Das Mädchen war zu den Tatzeitpunkten zwischen 8 und 11 Jahren alt. 12.03.2026 +UPDATE+ Oberfranken: Schockierende Vorwürfe - Kinderpornografie-Verdacht gegen Heilerziehungspfleger aus Hofer Tagesstätte Die Zentralstelle Cybercrime Bayern sowie die Kriminalpolizeiinspektion Bayreuth führen derzeit umfangreiche Ermittlungen gegen einen 33-jährigen Heilerziehungspfleger aus Oberfranken. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, während seiner Arbeitszeit in der Tagesstätte für Menschen mit Behinderung in Hof Bild- und Videoaufnahmen von betreuten Kindern und Jugendlichen angefertigt zu haben. 23.02.2026 +UPDATE+ Familiendrama in Strullendorf: Vater tötet Frau, Kinder und begeht Selbstmord Am Freitagabend (20. Februar) wurden in Strullendorf (Landkreis Bamberg) die Leichen einer vierköpfigen Familie in einem Mehrfamilienhaus aufgefunden. Offenbar tötete der Familienvater seine ganze Familie und richtete sich danach selbst.