Nach jahrelangen Ermittlungen hat die Zentralstelle Cybercrime Bayern Anklage gegen einen mutmaßlichen Kopf eines internationalen Betrugsnetzwerks erhoben, das unter dem Namen „Milton Group“ weltweit für Schlagzeilen sorgte. Der 50-jährige israelisch-georgische Staatsbürger sitzt seit seiner Auslieferung aus Armenien im Mai 2024 in bayerischer Untersuchungshaft. Mitte Januar beginnt vor dem Landgericht Bamberg der Prozess gegen ihn. Auch Geschädigte aus Oberfranken sind von den Betrugsfällen betroffen.
Opfer werden zu vermeintlich lukrativen Investitionen verleitet
Die Ermittler werfen dem Mann vor, über Jahre hinweg ein weit verzweigtes System von Callcentern in Südosteuropa gesteuert zu haben, mit dem tausende Anleger um ihr Geld gebracht wurden. Über fingierte Online-Handelsplattformen wurden die Opfer zu vermeintlich lukrativen Investitionen verleitet – tatsächlich verschwand das Geld in den Taschen der Täter. Allein im deutschsprachigen Raum sollen mehr als 1.000 Menschen betroffen sein. Unter den Geschädigten sind auch Personen aus Oberfranken dabei. Die Anzahl der Opfer konnte auf TVO-Nachfrage die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg nicht beantworten.
50-Jähriger betreibt Betrug-Callcenter und entwickelt Betrugssoftware für kriminelle Callcenter
Im Zentrum der Anklage stehen zwei Tatkomplexe: Zum einen soll der Beschuldigte von 2014 bis 2019 ein Callcenter in Tirana in Albanien mit circa 600 Mitarbeitern geleitet haben, das Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz um rund acht Millionen Euro brachte. Zum anderen soll er eine spezielle Betrugssoftware namens „PumaTS“ entwickelt und weltweit an weitere kriminelle Callcenter vertrieben haben. Über rund 400 Fake-Plattformen seien so weitere Millionenbeträge erbeutet worden – ein einzelner österreichischer Anleger verlor mehr als elf Millionen Euro.
50-Jähriger soll weltweiten Schaden von mindestens 180 Millionen Euro angerichtet haben
Insgesamt gehen die Ermittler von einem belegten Schaden von rund 52 Millionen Euro aus, der tatsächliche weltweite Schaden dürfte mit mindestens 180 Millionen Euro noch deutlich höher liegen. Der Angeklagte soll selbst etwa 29 Millionen Euro kassiert haben. Ihm drohen nun wegen gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs mehrjährige Haftstrafen. Das Gesetz sieht hierfür eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren vor. Die Ermittlungen gegen weitere Mitglieder des Netzwerks dauern an.