Es ist ein Fall, der Deutschland über zwei Jahrzehnte hinweg in Atem hielt, Justizirrtümer offenbarte und dessen endgültige Klärung bis heute aussteht. Was am 7. Mai 2001, also heute vor 25 Jahren, in Lichtenberg (Landkreis Hof) begann, entwickelte sich zu einem der komplexesten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Das Verschwinden
An jenem Montag im Mai kehrte die neunjährige Peggy Knobloch nicht von der Schule nach Hause zurück. Die letzte Sichtung erfolgte nur wenige Meter von ihrer Haustür entfernt. Eine beispiellose Suchaktion der Polizei, unterstützt durch die Bundeswehr und hunderte Freiwillige, blieb ergebnislos. Peggy schien wie vom Erdboden verschluckt.
Ein Justizskandal und die Wende
Schon bald geriet der geistig behinderte Ulvi K. ins Visier der Ermittler. Unter massivem Druck gestand er den Mord, widerrief dieses Geständnis später jedoch. Dennoch wurde er 2004 in einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt.
Zehn Jahre später folgte die Sensation: Der Fall wurde neu aufgerollt. Es kamen massive Zweifel an den damaligen Ermittlungsmethoden auf. 2014 wurde Ulvi K. in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen – er hatte unschuldig ein Jahrzehnt in der Psychiatrie verbracht.
Der Fund im Wald
Am 4. Juli 2016, fünfzehn Jahre nach ihrem Verschwinden, fand ein Pilzsammler in einem Waldstück in Thüringen, etwa 15 Kilometer von Lichtenberg entfernt, menschliche Knochen. Die DNA-Analyse bestätigte die traurige Gewissheit: Es waren die Überreste von Peggy.
Die Ermittlungs-Achterbahn
Der Fund der Leiche brachte jedoch nicht die erhoffte schnelle Lösung, sondern neue Rätsel:
Die DNA-Panne: Am Fundort wurde DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt. Dies löste ein politisches Beben aus, stellte sich jedoch später als Verunreinigung durch ein identisches Spurensicherungs-Gerät der Polizei heraus – eine peinliche Panne der Ermittler.
Ein neuer Verdächtiger: 2018 geriet ein Mann aus der Region kurzzeitig unter dringenden Tatverdacht, wurde jedoch mangels Beweisen wieder entlassen.
Status Quo: Ein Fall ohne Täter
Im Jahr 2020 stellte die Staatsanwaltschaft Bayreuth die Ermittlungen offiziell ein. Trotz modernster Kriminaltechnik und tausender Spuren konnte keinem Verdächtigen die Tat zweifelsfrei nachgewiesen werden. Peggy Knobloch wurde im Frühjahr 2021, fast 20 Jahre nach ihrem Verschwinden, im engsten Familienkreis beigesetzt. Während die Akten juristisch geschlossen sind, bleibt in Lichtenberg und darüber hinaus das Gefühl einer tiefen Ungerechtigkeit: Der Mörder der kleinen Peggy wurde nie gefasst.
Eine ausführliche Chronologie des Falls finden Sie hier.