UPDATE (Dienstag, 27. Oktober / 16:55 Uhr)
In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie spitzt sich der Tarifkonflikt zu. Nach dem für die IG Metall enttäuschenden Angebot der Arbeitgeber bei der zweiten Tarifverhandlung in Coburg bereitet sich die Gewerkschaft auf mögliche Warnstreiks vor. Mit dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober sind Arbeitsniederlegungen möglich.
Deutliche Reallohnverluste
Der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie (vbm) legte ein Angebot vor, das aus Sicht der Gewerkschaft zu deutlichen Reallohnverlusten führen würde.
Die Arbeitgeber hatten jetzt fünf Wochen Zeit, sich mit unserer Forderung auseinanderzusetzen. Doch was sie uns heute präsentiert haben, hat mit einem respektvollen Angebot nichts zu tun
Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern und Verhandlungsführer.
Die Arbeitgeber hätten damit die Chance verpasst, innerhalb der Friedenspflicht einen Schritt auf die Beschäftigten zuzugehen.
Arbeitgeberverband bietet Lohnplus von 1,3 Prozent
Konkret sieht das Angebot für Juli 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoentgelts vor. Das entspricht 664 Euro. Allerdings soll die Zahlung in Betrieben, die eine bestimmte Gewinnschwelle unterschreiten, automatisch entfallen. Eine dauerhafte Erhöhung der Tabellenentgelte um 1,3 Prozent bietet der vbm erst ab Juli 2028 an. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll bis Ende Dezember 2028 reichen.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld
Im Zentrum der Tarifrunde stehen finanzielle Verbesserungen für die Beschäftigten. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro. Darüber hinaus setzt sich die Gewerkschaft für eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten an den wirtschaftlichen Erfolgen ihrer Unternehmen ein. Insbesondere in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sollen tarifliche Regelungen zur Gewinnbeteiligung geschaffen werden.ust für Arbeitnehmer
Für die IG Metall ist das Angebot angesichts der Preisentwicklung und der wirtschaftlichen Aussichten völlig unzureichend. „Die Preissteigerung ist hoch, die wirtschaftliche Entwicklung nimmt Fahrt auf – und die Beschäftigten sollen 20 Monate auf eine Entgelterhöhung warten? Das würde einen heftigen Reallohnverlust bedeuten für die Menschen, die mit ihrer Arbeit die Betriebe am Laufen halten“, erklärt Ott.
Vorbereitungen auf Arbeitskampf
Die Gewerkschaft will deshalb ihre Vorbereitungen auf mögliche Arbeitskampfmaßnahmen intensivieren. „Wir werden unsere Warnstreik-Vorbereitungen jetzt scharfschalten“, kündigt Ott an. Sollte es in den weiteren Verhandlungen keine Bewegung geben, könnten die Beschäftigten nach dem Ende der Friedenspflicht mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.
Coburg steht am heutigen Dienstag (27. Oktober) im Mittelpunkt der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Dort geht die IG Metall mit den Arbeitgebern in die zweite Runde der Tarifverhandlungen für rund 836.000 Beschäftigte. Begleitet werden die Gespräche von einer großen Demonstration, zu der die Gewerkschaft mehr als tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Bayern erwartet.
Erste Verhandlungsrunde ohne Ergebnis
Die erste Verhandlungsrunde fand Donnerstag (8. Oktober) in München statt. Sie endete ohne ein Angebot der Arbeitgeber. Entsprechend groß ist der Druck vor den Gesprächen in Coburg, bei denen die Gewerkschaft ihre Forderungen bekräftigen und die Arbeitgeber zu Zugeständnissen bewegen will.
Demonstration durch die Coburger Innenstadt
Der Protest startete um 9:00 Uhr vor dem Firmengelände von Kaeser Kompressoren. Von dort aus zog der Demonstrationszug durch die Stadt bis zum Schlossplatz zu einer Kundgebung. Die eigentlichen Tarifverhandlungen sollen um 11:30 Uhr beginnen.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld
Im Zentrum der Tarifrunde stehen finanzielle Verbesserungen für die Beschäftigten. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro.
Tarifliche Regelungen zur Gewinnbeteiligung
Darüber hinaus setzt sich die Gewerkschaft für eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten an den wirtschaftlichen Erfolgen ihrer Unternehmen ein. Insbesondere in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sollen tarifliche Regelungen zur Gewinnbeteiligung geschaffen werden.
Arbeitsplätze und Standorte langfristig sichern
Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen in der Automobilindustrie und im Maschinenbau will die IG Metall tarifliche Regelungen erreichen, die Arbeitsplätze und Unternehmensstandorte langfristig sichern.
Zweite Verhandlungsrunde als wichtiger Wegweiser
Die zweite Verhandlungsrunde in Coburg dürfte damit zu einem wichtigen Termin für die bayerische Metall- und Elektroindustrie werden. Ob sich Arbeitgeber und Gewerkschaft aufeinander zubewegen, wird sich im Verlauf der Gespräche zeigen.